David Copperfield

Kaum ein Mensch seines Faches hat das erreicht, was er geschafft hat. David Copperfield ist der bedeutendste Magier der Gegenwart. Er führte in den letzten 30 Jahren die alte Kunst der Magie zu neuen Höhepunkten, und definierte sie dabei völlig neu. Wer erinnert sich nicht an das spektakuläre Verschwinden der Freiheitsstatue in New York, oder Copperfields Gang durch die Chinesische Mauer? .

Sie haben eine 30-jährige Karriere hinter sich: Was war aus Ihrer Sicht der Höhepunkt bis jetzt?
Ich schaue zwar gerne in meine Vergangeheit zurück, möchte aber keine einzelnen Geschehnisse hervorheben. Deshalb gab es auch in diesem Sinne keine wahren Höhepunkte in meinem Leben, denn für mich ist jeder morgige Tag ein großes Erlebnis. Ich nutze mein kurzes Leben um das zu tun, was ich gerne mache. Man darf nicht die Zeit verschwenden, sondern sie vernünftig einsetzen!

Sie haben sehr früh begonnen sich mit der Zauberei zu beschäftigen. Sie waren sieben, als sie den ersten Kartentrick von Ihrem Großvater erlernten. War es eigentlich er, der sie dazu motiviert hat, sich intensiver mit der Magie auseinanderzusetzen?
Mein Großvater hat zwar das Interesse für Magie in mir geweckt, er war aber nicht der, der mich inspiriert hat. Das waren Leute, die mit Magie nichts am Hut hatten, wie beispielsweise Orson Welles, der ein großartiger Regisseur und Autor war. Meinem Großvater verdanke ich aber, dass ich mein wahres Talent entdeckt habe. Er hat mir die Augen geöffnet. Ich habe eigentlich sehr schnell und leicht meine magischen Fähigkeiten weiterentwickeln können, sodass schon mit 12 meine ersten Tricks in Büchern niedergeschrieben wurden, und mit 16 ich Magie an der Universität von New York unterrichtete.

Ihre Eltern haben Sie auf Ihrem Weg zum großen Magier immer unterstützt. Wären Sie heute noch ein Magier, wenn das nicht der Fall gewesen wäre? Soviel man weiß, wollten Sie zuerst Bauchredner werden!
Ich war wirklich ein schlechter Bauchredner und auch ein miserabler Sänger. Nur gut, dass ich Zauberkünstler wurde. Meine Eltern reagierten anfangs zunächst positiv auf meine Leidenschaft zur Magie, weil sie dachten, ich mache das als Hobby, und das wars. Als ich mich aber entschloss, damit auch den beruflichen Weg zu gehen, waren sie ein wenig geschockt, und wussten nicht so recht, wie sie dazu stehen sollten. Heute sind sie stolz auf mich, freuen sich über meinen Erfolg, und unterstützen mich sehr bei meiner Arbeit.

Am stolzesten, so sagten sie, seien Sie auf Ihr ?Project Magic?. Eine besondere Krankentherapie, die es mithilfe der Magie körperlich geschädigten Person ermöglicht, ein leichteres Leben zu führen. Wie entstand die Idee zu diesem Projekt?
Dieses Projekt liegt mir in der Tat sehr am Herzen, weil es Menschen, die körperliche Schäden zu tragen haben, wie beispielsweise Schädel-Hirn Trauma ? Patienten, mit Zaubertricks hilft, ihre Koordinations- und motorischen Fähigkeiten deutlich zu stärken. Die Idee für das Projekt kam von einem jungen behinderten Magier, der mir einst einen Brief schickte, und mir darin seine Gedanken schilderte. Ich war dermaßen davon berührt, dass ich ihn kontaktierte. In den folgenden Jahren, das Projekt gibt es schon seit 1982, entwickelte ich gemeinsam mit Ärzten und Therapeuten das gesamte Programm. Und noch heute ist es ein großer Erfolg!

Es ist in der Tat ein sehr erfolgreiches Projekt, das in mehr als 30 Ländern durchgeführt wird. Besuchen Sie manchmal auch die involvierten Krankenhäuser und Patienten?
Natürlich schaue ich ab und zu in den Krankenhäusern vorbei. Letztes Jahr war ich mit Kollegen in China, wo wir das Projekt präsentiert haben. Die chinesische Regierung, die eigentlich als sehr strikt gegen alle westlichen Methoden, vor allem im wissenschaftlichen Bereich, bekannt ist, wollte unbedingt unser Projekt näher kennen lernen. Heute ist ?Project Magic? auch in China aktiv, und das freut mich natürlich sehr. In Österreich sind wir auch sehr erfolgreich unterwegs, es gibt eine große Zahl von Magiern und Volontären, die sich mit dieser Therapie beschäftigen, und damit den Menschen helfen, ein leichteres Leben zu führen.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie hören, dass jemand aufgrund Ihrer Hilfe nun ein einfacheres Leben führt?
Es schmeichelt mir sehr, denn es ist mir eine große Freude andere glücklich zu machen. Wenn die Menschen rund um mich zufrieden sind, bin ich es auch. Vor allem wenn solche Fortschritte im medizinischen Bereich erreicht werden, ist das für mich etwas unbeschreibbar Schönes.

Glauben Sie, dass noch mehr in diesem Feld getan werden könnte?
Es wurde schon viel getan. Es gibt unter anderem in Krankenhäusern schon die Tanztherapie oder Musiktherapie, die eine ähnliche Wirkungsweise wie unser ?Project Magic? haben. Auf der einen Seite beschleunigen diese modernen Methoden den Heilungsprozess der Patienten, auf der anderen machen sie aber großen Spass, und erleichtern den Aufenthalt im eher tristen Krankenhausalltag.

Sie kümmern sich auch um die kommenden Generationen von Magiern. Ihr Internationales Museum und die Bibliothek der Zauberkünste besitzen eine wertvolle Sammlung von Objekten und Dokumenten aus der Welt der Magie. Machen Sie selbst auch Führungen durch das Museum?
Ja, meistens um Mitternacht nach der letzten Vorstellung im MGM Grand in Las Vegas. Dabei mache ich eine Runde mit speziellen Gästen, Journalisten oder Sponsoren, und zeige ihnen die kleinen Schätze, die wir in diesem Museum untergebracht haben. Wir haben bereits auch einige auswärtige Museumsausstellungen organisiert, wie zum Beispiel im Kodak-Theatre in Los Angeles oder auf dem Broadway in New York.

Viele nennen Sie heute ?den populärsten Magier aller Zeiten?. Sie haben auch einen Stern am berühmten ?Walk Of Fame?. Wie gehen Sie mit Ihrem Ruhm um?
Das Kompliment schmeichelt mir sehr, man muss aber damit locker umgehen. Natürlich bin ich stolz auf meinen Erfolg, jedesmal wenn ich in Los Angeles bin, poliere ich sogar meinen Stern. Aber man muss am Boden bleiben, sonst wird der Ruhm einem schnell zum Verhängnis.

Sie haben über 500 Vorstellungen jedes Jahr zu meistern. Ist das nicht stressig? Gedenken Sie überhaupt sich in Ruhestand zu begeben?
Ich liebe meine Shows, es fühlt sich für mich so an, als wäre ich die ganze Zeit in Urlaub. Deshalb gedenke ich auch nicht aufzuhören, denn meine Auftritte bereiten mir sehr viel Spass, und geben mir die nötige Lebenskraft. Es wäre für mich unvorstellbar keine Shows mehr zu machen.

Die meisten Ihrer Shows finden im Hotel MGM Grand in Las Vegas statt. Manchmal gehen Sie aber auch auf Tour. Was mögen Sie lieber: jeden Tag in einer anderen Stadt zu sein oder immer in der gleichen Halle aufzutreten?
Für mich ist die Balance wichtig. Es ist schön, wenn man für längere Zeit am selben Ort ist, denn so ist man auch mit seinen Freunden immer zusammen. Andererseits ist es aber auch sehr interessant, eine andere Stadt zu sehen, und neue Menschen zu treffen. Deswegen ist für mich der Ausgleich ausschlaggebend. Zwischen meinen Auftritten in Las Vegas, mache ich immer wieder eine Tour, sodass es nicht langweilig wird.

Auch ein Magier braucht Zeit für sich selbst. Wie erholen Sie sich?
Ich entspanne mich am besten, wenn ich ins Kino, zum Strand oder tanzen gehe. Eigentlich habe ich gar keinen beruflichen Stress, denn die Magie ist meine große Leidenschaft. Damit ich aber nicht die Welt aus den Augen verliere, erhole ich mich genauso wie es auch andere Menschen tun.

Sie scheinen eine glückliche Person zu sein, die mit ihrem Leben zufrieden ist. Aber gibt es noch persönliche Ziele, die Sie gerne noch verwirklichen würden?
Es gibt da ein paar Dinge, die ich noch unbedingt verwirklichen möchte. Mein großer Wunsch ist es, eine Familie zu gründen, denn ich bin ein romantischer Mann. Ich würde aber am liebsten mehr Zeit zur Verfügung haben, so 29 Stunden am Tag, damit ich auch all meine Ziele erreichen kann. Es wäre doch schön, wenn die Woche statt sieben, neun Tage hätte.

Wie stehen Sie heute zu ihrer Ex-Verlobten, dem Supermodel Claudia Schiffer? Sind Sie nach wie vor in Kontakt mit ihr?
Oft werde ich nach ihr gefragt, auch wenn unsere Beziehung schon seit langem vorbei ist. Wir sind freundschaftlich auseinander gegangen, und sind auch in Kontakt geblieben. Ich betrachte sie als gute Freundin, nichts mehr.

Wie schauen Sie auf die Zeit mit Claudia zurück?
Es war schön, nur hat uns der ganze Medienrummel doch sehr überrascht. Selber habe ich damals gerne die Klatschpresse gelesen, um dann fast jedesmal zu erfahren, wie viel aus einer kleinen Sache gemacht wurde. Heute bin ich vorsichtiger, und behalte mein Privatleben für mich.

Wie flirten Sie mit einer Frau? Benutzen Sie dabei vielleicht auch die Magie als Hilfsmittel?
Das habe ich glaube ich nicht nötig. Ich habe auch keine Lust dazu, da ich meine Freizeit gerne auf romantische Art verbringe: Ich führe eine schöne Frau lieber zum Abendessen aus.

Was können die Menschen von ihren europäischen Shows diesen Herbst erwarten?
Es wird bombastisch und sicherlich für jeden sehr aufregend sein. Viel verraten möchte ich natürlich nicht, denn das verdirbt ja den Spass. Ich freue mich aber wieder in Österreich zu sein, denn mit Ihrem Land verbindet mich sehr viel. Vor allem da ich eine sehr kulturinteressierte Person, und einfach begeistert von dem kulturellen Reichtum Ihres Landes bin.

Was gefällt Ihnen an Österreich am meisten?
Wien hat mich vor allem fasziniert. Ich war schon in der Spanischen Hofreitschule, wo ich diese wunderschönen Pferde sehen konnte, und besuchte auch das Schloss Schönbrunn. Amerika ist ein junges Land, ohne eine ausgeprägte und reichhaltige Kulturtradition. Im Gegensatz zu Österreich sind wir wirklich ein sehr armes Land. Von den österreichischen Künstlern schätze ich am meisten Gustav Klimt, der mich mit seinen Werken sehr inspiriert hat. Als ich im Klimt-Museum war, wollte ich für immer dort bleiben. Ein zauberhafter Ort, der mir sehr stark in Erinnerung geblieben ist.

www.davidcopperfield.de

Fotos: Release
Bild zum Interview mit David Copperfield

Bild zum Interview mit David Copperfield


0 Kommentare | am 05. Sep 2006 geschrieben

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