FACELIFT

Seit einer kleinen Ewigkeit arbeiten Facelift kontinuierlich an ihrer Karriere und haben von Beginn an ihren Level sehr hoch angesetzt. Oftmals fällt es schwer diesen Stand zu halten, Facelift hingegen bestätigen regelmäßig, dass sie in der Musik das perfekte Ausdrucksmittel für sich gefunden haben. Es ist für mich nur eine Frage der Zeit bis die breite Öffentlichkeit bemerkt, dass hier etwas äußerst stimmig zusammenpasst. Dieser Rohdiamant wurde über die Jahre fortlaufend in der eigenen Werkstatt mit neuen Facetten beschliffen und spiegelt nun das abwechslungsreiche Vermögen der Band wieder. Von eingängigen Pop/Rock-Melodien bis zu melancholisch nachdenklichen Sounds haben Facelift eine Menge zu bieten.
Hier ein Interview mit Clemens Berger (Gitarre, Gesang):



Ich muss leider zugeben, dass ich euch trotz eures 10-jährigen Bestehens erst seit kurzem kenne. Hoffentlich gehöre ich einer Minderheit an und bitte für diese um eine Vorstellung: Wie habt ihr zusammengefunden?

Wir haben uns in Graz in der Disco unseres Vertrauens kennen gelernt. Halb 5 Uhr in der Früh war es und wir haben gemeint, dass eigentlich überall nur ganz schlechte Musik läuft, wir sollten es selbst besser machen.

Woher kam die Idee für den Bandnamen? Der Blick in den Spiegel nach einer harten Nacht?

Ja, so ähnlich. Und damals war es auch ein Neustart eine Korrektur. Jeder kam aus einer ganz anderen Ecke musikalisch gesehen und daraus haben wir unser Erscheinungsbild gebaut.

Wart ihr vorher schon in anderen Bands tätig?

Ja, aber nichts von Bedeutung.

?Impossible Somethings? ist bereits euer drittes Album und wurde letztes Jahr von Guido Lucas (Blackmail, Scumbucket, Harmful,?) produziert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Eigentlich wollten wir schon unser allererstes Album ?She? mit ihm produzieren, aber da seine Frau ein Kind bekam, hatte er einfach keine Zeit. Dann haben wir uns etwas aus den Augen verloren. Irgendwie sind wir dann wieder ins Gespräch gekommen und haben die Zusammenarbeit beschlossen.

Seid ihr im Blubox-Studio gewesen oder wo fanden die Aufnahmen statt? Wie lange hat die Arbeit daran gedauert?

Wir haben in den Recorder Studios in der Nähe von Graz produziert. So ca. einen Monat lang waren wir beschäftigt.

Für meine Ohren klingt die Produktion sehr straight, ohne viel technischem bzw. digitalem Zusatz. Mehr oder weniger ?live? eingespielt oder irre ich mich da?

Das war unser Ansatz. Die Band steht vor dir, spielt für dich. So wie sie ist. Laut, leise, schön und hässlich. Keine künstlichen Behübschungsversuche.

Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass ihr auf der Bühne ebenso klingt. Manche Bands haben ja das Problem, zu viel Zeit im Studio zu verbringen und endlos zu feilen, um hinterher live ziemlich ?schmalbrüstig? daherzukommen. Ist Reduktion ein Schlagwort mit dem ihr etwas anfangen könnt?

Ja ? Reduktion ist ein guter Ansatz. Eine Band sollte sich nicht im Studio verzetteln und live dann ein Rückzugsgefecht antreten. Live sollte man noch einen drauflegen können und das tun wir auch.

Eigentlich habt ihr zu Beginn eurer Laufbahn mit dem Bizarre Festival schon ein ziemliches Highlight zu verbuchen. Erzählt mal bitte davon.

Eingeladen wurden wir vom deutschen Musikmagazin ?Visions?. Wir haben ihnen unsere erste Cd ?She? bevor sie erschien zugeschickt. Dort war man so begeistert, dass man uns gleich mit einem Song auf ihrer Compilation zum Heft drauf tat. Obendrein haben sie uns eingeladen einige Gigs zu spielen, Visions-Parties und als absoluten Knaller aufs Bizarre-Festival. Dann wurden wir zum unexplored Alternative-Act in Deutschland gewählt. Danach hatten wir auch gleich einen Plattenvertrag und gingen auf eine lange, lange Tour: Österreich, Deutschland, Slowenien, Ungarn,..., über den großen Teich und wieder zurück.

War der Gewinn beim Austrian Newcomer Award 07 so etwas wie der bisherige Höhepunkt hierzulande?

Höhepunkt: Jein. Obwohl es natürlich ein schönes Gefühl ist, wenn man in der Heimat auch einmal geehrt wird. Es war ein toller Rahmen, ein super Auftritt und eine geile Stimmung. Aber als Newcomer fühlen wir uns nicht mehr. Aber das hat ja fast alle Preisträger gleich betroffen. Trotzdem eine super Veranstaltung, eine wichtige Sache die unbedingt weiter laufen muss und soll.

Wenn ich richtig informiert bin wart ihr unlängst auch in Deutschland unterwegs. Wie sieht es da (oder generell international) im Moment mit dem Feedback aus?

So ist es. Und unsere Bookingagentur in Deutschland checkt schon wieder eine weitere zweiwöchige Tour für Frühjahr 2008. Wir waren und sind immer viel herum gekommen. Unsere 3 Cds sind alle in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Japan erschienen. Via Itunes und z.B.: Amazon: weltweit.

Die nächsten Live-Termine habe ich mir von eurer Myspace-Seite geholt:
27.10.07, Graz, Schwarzl Halle
02.11.07, Vöcklamarkt, Premysl
03.11.07, Rudersdorf, Schabüttl
17.11.07, Krems, Avalon Exil
15.12.07, Horitschon, Fargo


Würdet ihr meinen dass es außerhalb von Wien leichter ist an einen Gig zu kommen?

Kann ich nicht sagen. 1-2 Mal im Jahr kommen wir nach Wien und es war immer ein guter Abend.

In welchen Ländern seit ihr bereits unterwegs gewesen bzw. ist etwas dergleichen in Planung? Was steht nach Weihnachten an?

Siehe oben. In jedem Falle sind wir schon beim komponieren für die nächste Cd. Einige Songs testen wir auch schon live aus. Im Laufe des nächsten Jahres werden wir unsere vierte Cd veröffentlichen.

Ich habe letztens ein Interview mit Chuck Ragan (Ex-Hot Water Music) gelesen. Er meinte, dass er sich nun zwar ein kleines Haus für seine Familie leisten konnte, aber dafür gibt es auch nichts anderes als Reis zum Essen bzw. hat er über all die Jahre nicht so viel verdient, dass er auf seine Arbeit als Schreiner hätte verzichten können.
Sind die Geldmittel nicht ungerecht verteilt? Oder wie groß muss das Stück Seele sein, welches man verkaufen müsste? Wo zieht ihr eure Grenzen?


Zum Kasperl machen wir uns sicher nicht. Wo jeder seine Grenze zieht oder sieht, ist wohl schwer zu beantworten. Was dem einen noch kein Unbehagen bereitet, ist für mich vielleicht schon der Grund nie mehr ohne Maske auf die Straße zu gehen. Es gibt Milliarden von Menschen und somit Milliarden von Realitäten. Jeder muss wissen wie weit er gehen kann bzw. womit er noch klar kommt. Ich sage dazu: Different people, different worlds!

Klar, es wäre aber schade wenn nach all dem Einsatz nur die Schulter vom vielen Klopfen schmerzt. Welche Standbeine habt ihr neben der Musik und wie lässt sich das zeitlich vereinbaren?

Ich habe einen breiten Rücken, hahaha ?! Aber es ist schon richtig, dass es nur eine sehr bescheidene Gruppe von Menschen gibt, die gut von ihrer Musik leben können. Und das beziehe ich nicht nur auf Österreich, das ist leider weltweit so. Wenn man es unbedingt will, dann findet man Wege und Möglichkeiten und auch die Zeit dafür. Bei Facelift ist alles vertreten: Vom Instrumentenbauer bis zum Manager, vom FH -Dozenten bis zum Bademeister. Einfach ist es nicht und es erfordert ein hohes Maß an Verrücktheit, Enthusiasmus, kindlicher Spielfreude, Abenteuerlust, Organisation und letztlich Disziplin.

Euer Standpunkt zu Filesharing, Downloads usw.?

Schwer zu sagen. Solange es das künstlerische Schaffen unterstützt bzw. nicht in den Untergang treibt, ist es auch positiv. Wenn aber niemand mehr Geld in die Hand nimmt, weil es sich nicht lohnt zu investieren, weil ohnehin alles gratis runtergeladen bzw. geklaut wird, dann schneidet sich der Konsument letztlich selbst ins Fleisch. Man wird sehen, wie sich das alles entwickelt. Um sich weltweit aus dem Wohnzimmer heraus anzubieten, ist es natürlich schon spannend, weil es ja kaum mehr Grenzen gibt.

Gibt es eine wesentliche Quelle der Inspiration?

Vieles, alles, gar nichts. Das Leben und was man so erlebt generell. Wir sind nicht religiös oder politisch motiviert in unserem Musikschaffen. Es sind Alltagsthemen und Geschichten. Sachen die jeder sieht und kennt. Die man auf die eine oder andere Art und Weise verarbeitet oder auch nicht. Bilder, Träume, ?, oft keine reale Geschichte, sondern eher der Gefühlszustand der sich aus dem Erlebten ergibt.

Wer ist bei euch für das Songwriting verantwortlich? Bringt ihr abwechselnd Ideen mit zur Probe oder jammt ihr viel ? wie teilt sich das auf?

Hauptsächlich sind Andrea und ich (Clemens) dafür verantwortlich. Texte überwiegend Andrea, die Musik machen vornehmlich Andrea und ich. Songs entstehen zu Hause alleine oder zu zweit und bringen mehr oder weniger fixe Arrangements und Vorstellungen zur Probe mit.

Wenn man eine Nacht in Graz verbringt ? was sollte man nicht versäumen?

P.P.C., Dom im Berg, Generalmusikdirektion, Explosiv, Eckhaus, Cohibar, Mucki´s Weinstube, Stern, Buschenschank Sattler, San Pietro, Orange, ?

Noch etwas, dass ihr loswerden wollt?

Danke fürs Interview!

Muchas thanks für das Interview und ich hoffe, dass ich euch bald mal live erleben kann.

Facelift - Homepage http://www.faceliftmusic.com
Facelift @ myspace http://www.myspace.com/facelifts
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Bild zum Interview mit FACELIFT

Bild zum Interview mit FACELIFT

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Fotocredit: Nicole Elocin-Huber / [url=http://www.elocin.at]http://www.elocin.at[/url]


0 Kommentare | am 23. Oct 2007 geschrieben

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