Feargus Urquhart - Obisidian Entertainment Inc

Hat schon einmal jemand Ihren Namen korrekt ausgesprochen?

Feargus Urquhart: Das kommt so selten vor, dass ich jedes Mal uberrascht bin. In der Schule war es immer sehr unterhaltsam, wenn wir einen Vertretungslehrer hatten. Wenn er die Schuler der Namensliste nach aufrief, gab es irgendwann immer eine Pause. Die ganze Klasse sah mich dann grinsend an, und ich sagte nur: "Anwesend". Danach kam immer die Frage nach der Herkunft meines Namens, der schottischen Ursprungs ist. Das Schloss Urquhart liegt am Loch Ness ... Ja, der See mit dem Monster.


Wie fängt man es an, ein Unternehmen wie Obsidian zu grunden?

Feargus Urquhart: Zunächst muss man etwas verruckt sein. Die Sache fur eine gute Idee zu halten ist auch ein guter Anfang. :) Als erstes wollten wir herausfinden, wie wir ein Unternehmen fuhren könnten, und erst dann wollten wir entscheiden, was wir damit  anfangen. Wir waren vernarrt in die Idee, Einzelspieler-RPGs zu machen, das war also von Anfang an die Vorgabe. Indem wir uns auf ein Ziel konzentrierten, wussten wir genau, was wir zum Aufbau des Studios benötigen wurden Рwir wussten, welche Art von Projekten uns vorschwebten und welche Menschen und Technologien wir brauchen wurden, damit wir die Spiele herstellen können, die wir lieben.


Wie hat sich Ihrer Meinung nach Ihre eigene Rolle seit Grundung des Studios verändert?

 

Feargus Urquhart: Die größte Veränderung besteht darin, dass ich weniger Zeit mit der Produktion der Spiele direkt verbringe. Zum Beispiel bearbeite ich keine Daten oder versuche, Grafiken in das Spiel zu bringen. Dennoch versuche ich, so viel Zeit wie möglich der Arbeit an den Spielen selbst zu widmen. Bei Knights of the Old Republic 2 zum Beispiel hatten wir einen ziemlich engen Zeitplan und ein knappes Budget, und jeder musste irgendwo einspringen. Ich durfte dann Gegenstände (Betten, Truhen, Lampen usw.), Kreaturen und Figuren in das Spiel einbauen.

 

Was ist das Beste an Ihrem Job? Und was das Schlimmste?

Feargus Urquhart: Das Beste ist, dass ich Spiele herstellen kann. Die Antwort ist einfach, aber genau so ist es. Ich arbeite in einer Industrie, die Dinge herstellt, mit denen ich mich auch in meiner Freizeit beschäftige - es ist Arbeit und Hobby zugleich. Am meisten Spaß macht die Entwicklung eines Spiels, daruber zu reden, was wir machen wollen, und dann herauszufinden, wie wir es am
besten machen.
Am schlimmsten ist der Stress, ein kleines Unternehmen zu fuhren. Es ist definitiv meine Aufgabe, dafur zu sorgen, dass 120 Mitarbeiter ihren Lohn erhalten, damit sie etwas zu essen haben und sich um ihre Kinder kummern können. Diese Verantwortung trage ich jeden Tag mit mir herum, und manchmal versetzt sie mir einen Dämpfer.

 

Wie sind Sie in der Industrie gelandet? Haben Sie Tipps, wie man es am besten schafft?

Feargus Urquhart: In der High School fing alles an. Damals freundete ich mich mit einigen Leuten aus meinem D&D-Spielclub an. Ich rede hier von "Pen and Paper", nicht von Videospielen. Einer dieser Freunde arbeitete nach der Schule bei Egghead Software und fing ein D&D-Spiel mit jemandem an, der bei Interplay arbeitete. Interplay fing an zu expandieren, sie brauchten jemanden fur den Kundenservice, und mein Freund nahm den Job. In jenem Sommer brauchte ich Arbeit, und er empfahl mich fur Spieletests. Mein Vorstellungsgespräch bestand darin, dass der Produktionsleiter kurz hochsah und mich fragte: "Sie sind also Feargus?" Рworauf ich mit "Ja" antwortete. Und das war's. Ich war angestellt.
Leider ist das sehr lange her, und so geht das heute nicht mehr. Heute braucht man Fähigkeiten, die einen vor anderen herausstehen lassen.
Ich kann aber ein paar nutzliche Tipps geben, um in der Industrie Fuß zu fassen. Wichtig sind zum Beispiel korrekte Rechtschreibung und Grammatik in allen Unterlagen, die man bei der Bewerbung verschickt. Sie wären uberrascht, wenn Sie wussten, wie oft wir Bewerbungsschreiben und Lebensläufe zugeschickt bekommen, fur die man in der Schule durchfallen wurde.
Man muss hartnäckig sein, niemals aufgeben und immer fragen, ob es in Ordnung ist, wenn man sich ein paar Monate später noch einmal meldet. Fragen kostet nichts.
Wenn man in der Nähe des Unternehmens arbeitet, bei dem man sich bewirbt, kann man zum Beispiel auch den Personalchef, einen der langjährigen Entwickler oder sogar den Geschäftsfuhrer selbst zum Essen einladen. Das bringt einem vielleicht nicht unbedingt den Job, den man gerne haben möchte, aber man erhält Informationen und Perspektiven aus der Industrie, die man zuvor nicht hatte.


Was war das bisherige Highlight Ihrer Karriere?

Feargus Urquhart: Das ist schwer zu sagen. Ich halte mich nicht lange an meinen Erfolgen auf. Ein interessanter Charakterzug eigentlich: Ich bin immer schon bei der nächsten Sache. An der Entwicklung von Fallout beteiligt gewesen zu sein, den Namen "Baldur's
Gate" fur Baldur's Gate auszuwählen, sowohl an Star Wars und an D&D mitzuarbeiten, mit Ray und Greg von BioWare befreundet zu sein, die lockere technische Definition fur ein Planescape-Spiel zu entwerfen, aus der Chris Avellone dann Planescape: Torment gemacht hat - das sind alles bemerkenswerte Highlights. Ich erinnere mich sehr gerne an all diese Dinge.

 

Was ist Ihr persönliches Lieblingsspiel aller Zeiten?

Feargus Urquhart: Meine Antwort auf diese Frage finden die meisten Menschen merkwurdig, aber statt auf die alten PC-RPGs - Bard's Tale 1, Might and Magic 4 und 6, Ultima 3 und 4 und Wasteland - greife ich oft auf Sid Meier's Colonization zuruck. Es ist seltsam, und ich weiß selbst auch nicht, warum, aber zum Teil mag es daran liegen, dass ich es auch nach zwanzig Mal spielen ... immer noch nicht geschafft habe.


Auf welche Spiele freuen Sie sich?

Feargus Urquhart: Ich besitze ein paar Spiele, bei denen ich noch nicht dazu gekommen bin, sie zu spielen, zum Beispiel Mass Effect 2 und Uncharted 2. Auch Dragon Age und Assassin's Creed 2 muss ich noch beenden. Was kommende Spiele angeht, freue ich mich auf das nächste Final Fantasy, Darkstalkers (ist schon veröffentlicht, habe ich aber noch nicht), StarCraft 2 und Diablo 3.


Was lässt sie morgens aus dem Bett aufstehen?

Feargus Urquhart: Normalerweise ein Kind, das mir Fragen stellt, die ich um die Uhrzeit noch nicht beantworten kann. Nein, im Ernst, ich habe ein ziemlich gutes Leben. Ich habe eine verständnisvolle Frau, großartige Kinder und gute Freunde, und ich kann arbeiten gehen und Spiele machen. Hoffentlich ist das nicht zu schmalzig.

 

Was war Ihr schlimmster Job?

Feargus Urquhart: Komischerweise haben mir alle Jobs gefallen, die ich so hatte, was fur einen Vierzigjährigen in meinem Fall keine besonders lange Liste ergibt. Von 13 bis 16 verpackte ich fur funf Dollar die Stunde Ausgaben der Sunday LA Times in Schutzpapier. Von 16 bis 21 habe ich bei Domino's Pizza Bestellungen angenommen, Pizza gebacken und ausgefahren, und dann wurde ich Manager. Ich zahlte gut, und es gab in dem Laden viele lustige Leute, was die Arbeitszeit schnell vergehen ließ. Und seitdem ich 21 bin, arbeite ich in der Spieleindustrie. Ob ich dort Tester war, Produzent oder Entwickler, alles hat mir Spaß gemacht.

Haben Sie noch andere Hobbys oder Interessen? Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Feargus Urquhart: Wenn ich die Möglichkeit habe, spiele ich Video- und Brettspiele. Aber ich fahre auch gerne mit dem Mountainbike und lese Unmengen an Sci-Fi- und Fantasy-Literatur und Bucher uber den Obersten Gerichtshof. Aber diesen Zusammenhang verstehe ich selbst nicht.

Gibt es noch irgendetwas Interessantes zu Obsidian zu berichten?

Feargus Urquhart: Wenn die Eigentumer von Obsidian in einem Raum zusammen sind und man sagt: "Hallo Chris", dann antworten 60 % von ihnen auch mit Hallo.

Bild zum Interview mit Feargus Urquhart - Obisidian Entertainment Inc


0 Kommentare | am 18. Mar 2010 geschrieben
Tags: Interview, Games, Feargus Urquhart

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