Gerhard Gradinger

Hallo Gerhard, du hast bereits 2001 beschlossen Kabarettist zu werden, was hat dich dazu bewogen?

A: Na beschlossen habe ich es schon fr├╝her, so als ich mein erstes Resetarits – Programm gesehen habe. Mein Vater ist ein (Hobby)Witze-Erz├Ąhler, ein ganz guter sogar und wie ich als Kind gesehen habe, wie er Leute zum Lachen bringt, dachte ich mir damals schon das w├Ąre der sch├Ânste Beruf. Mit Witzen allerdings konnte ich mich nie anfreunden und so sah ich mit 14 mein erstes Kabarettprogramm von Lukas Resetarits und da hab ich mir gedacht: Ich hoffe davon kann man leben, denn das ist genau das, was ich machen will.

Du bist ja geb├╝rtiger Gro├č-Schweinbarther (N├ľ), nicht unbedingt eine Kabarettmetropole. Wie hat deine Kindheit am Land deine Programme beeinflusst?

A: Sehr, zu sehr muss ich sagen. Mein erstes Programm „Bertlll und die starken M├Ąnner“ handelte eigentlich nur vom Leben am Land, sodass ich mich beim zweiten, „Komm wir machen eine Reise“ ziemlich an der Nase nehmen musste, um nicht eine Fortsetzung des Ersten zu produzieren. Ansonsten ist es glaube ich egal wo du aufgewachsen bist, denn wenn du ein guter Beobachter bist gibt es immer wieder Leute, die sich unfreiwillig f├╝r einen Kabaretttext qualifizieren.

Mir ist aufgefallen, dass, wenn du ├╝ber deine Jugendzeit am Land erz├Ąhlst sehr authentisch wirkst. Wie viele deiner Geschichten sind wahr und wie viele erfunden?

A: Naja so ganz m├Âchte ich es nicht verraten. Komischerweise wurde mir schon mal gesagt, dass man genau merkt was „├╝bertrieben“ und was „wirklich“ passiert ist. Allerdings war es jedoch genau umgekehrt die Sachen die glaubw├╝rdiger sind, sind erfunden und die skurrilen Sachen sind echt passiert. Ich sch├Ątze als Kabarettist muss man einfach auch ein Mensch sein dem komische Dinge passieren.

Ein paar Informationen habe ich mir vorab von deiner tollen Homepage geholt. Dort steht zum Beispiel das du mit vollem Namen Gerhard Gerhard Gradinger hei├čt. Hast du dir nie ├╝berlegt als „Triple G“ eine Rap Karriere zu starten?

A: Nein, ich nenne mich selbst Double G da das dritte G nicht wirklich so stimmt wie es geschrieben steht *G* Eine Rapper Karriere?? Nur wenn du mitmachst *G*

Also ich w├Ąre dabei. Du hast also den unbedingten Drang zur B├╝hne, woher kommt das?

A: Ich sch├Ątze das kommt daher weil ich nix Anderes kann. Es gibt Menschen die k├Ânnen von ├╝berall ein bisschen, aber nix richtig gut und es gibt Menschen die k├Ânnen halt nur ein Ding gut - das ist bei mir hoffentlich die B├╝hne.

Auf deiner Website steht auch das du „irrt├╝mlich“ 9 Jahre auf einer Sporthauptschule warst. Wieso irrt├╝mlich und wieso dann 9 Jahre lang?

A: Achso ich sollte mal meine Fehler auf der HP ausbessern *g* In Wirklichkeit waren es nur 4 Jahre und irrt├╝mlich deshalb weil es bei uns am Land nur ein Gymnasium und eine Hauptschule in der N├Ąhe gab. F├╝rs Gymnasium glaube ich, habe ich mich zu sp├Ąt angemeldet *g*, dadurch musste ich in die n├Ąchstgelegene Hauptschule die zuf├Ąllig eine Sporthauptschule war.

In deinem aktuellen Programm „Komm wir machen eine Reise“ erz├Ąhlst du auch etliche private Erlebnisse ├╝ber dich und deine Lebensgef├Ąhrtin. Wie hat sie auf diese Geschichten reagiert?

A: Naja sagen wir: Da kommen wir zu den gelogenen Dingen von meinem Programm, in Wirklichkeit habe ich die beste Frau und ich liebe sie!!!! Die Wahrheit ist, kein Programm oder Text von mir raus geht bevor es meine Freundin/Verlobte/Fastfrau nicht gesehen und abgesegnet hat.

Vor einiger Zeit bist du aus Gro├č-Schweinbarth nach Wien gezogen. Warum hat es dir am Land nicht mehr gefallen?

A: Naja gefallen hat es mir schon, es war nur so langweilig. Die Wahrheit ist ich bin ein fauler Mensch und m├Âchte alles um mich haben Billa, Trafik, Tankstelle und vor allem den McDonalds.

Du hast schon einige Jahre Kabarett gemacht, bevor du 2004 den Comedy Knock Out in Wien gewonnen hat. Hat dir der Gewinn dieses Preises etwas gebracht?

A: Ja definitiv. Ich hatte n├Ąmlich was vorzuweisen und konnte etwas auf meine Plakate drucken: Der Gewinner des Comedy Knockout 2004 pr├Ąsentiert…… So etwas brauchst du als Jungkabarettist als Starthilfe oder sagen wir, es bringt dich zumindest in deiner Arbeit ein paar Wochen weiter, denn es dauert sehr sehr lange bis man als Nachwuchskabarettist offiziell anerkannt wird.

Toll finde ich, dass du ab September 2008 bei der bekannten Kabarettformation „Die lange Nacht des Kabaretts“ mitspielst. Wie bist du dazu gekommen?

A: Naja ich habe es immer gehasst wenn ich Interviews gelesen habe von Kabarettisten die es schon ein bisschen geschafft haben und dann immer auf diese Frage folgendes geantwortet haben. ABER:Wie die Jungfrau zum Kind. Irgendwann rief mich der Manager der „Langen Nacht“ an und fragte mich ob ich als Fuchs oder als B├╝rgermeister f├╝r ein Theaterst├╝ck im Prater auftreten m├Âchte, allerdings gibt es keine Gage. Na und ich hab zugesagt. Das d├╝rfte ihm so imponiert haben, dass er mich dann mal anschauen gekommen ist und dann wieder und wieder,... dann hat er noch einen Auftritt organisiert wo er mich wieder austesten wollte usw. usw. Nach jedem Auftritt hat er dann einfach gesagt „gut worst Gradinger“ und ist wieder verschwunden. Dann irgendwann hat er gesagt „no do kummst amoi zu mir grillen“ Dann war ich dort mit den anderen Mitglieder der Langen Nacht und wir haben so ├╝ber die Lange Nacht geredet. Nach 4 Stunden sind wir wieder heim gefahren und ich fragte den Pepi Hopf: Bin ich jetzt da dabei oder net und er hat gesagt: „Du bist beim Paten im Garten gesessen, du bist dabei.“

Wie w├╝rdest du, die aktuelle Situation f├╝r junge Kabarettisten in ├ľsterreich beurteilen? Ich wei├č ja aus eigener Erfahrung, dass es nicht immer leicht ist.

A: Ich w├╝rde sie als Teufelskreislauf des Scheiterns bezeichnen. Wenn man nicht bekannt ist, kann man nirgends auftreten und wenn man nirgends auftreten kann, kann man keine Erfahrung sammeln und wenn man wiederum keine Erfahrung sammeln kann bekommt man nicht die B├╝hnensicherheit, bekommt man die B├╝hnensicherheit nicht wirkt man nicht relaxt auf der B├╝hne, wirkt man nicht relaxt nimmt einen das Publikum (wenn vorhanden) nicht so an…. Usw. usw.

Zum Schluss noch meine Standardfrage: Was w├╝rdest du einem jungen Menschen empfehlen, der beschlie├čt Kabarettist zu werden?

A: Ich w├╝rde sagen: JA mach es ABER glaube nicht, dass du damit die ersten 35 Jahre Geld verdienst und glaube nicht das du heute beginnst und morgen schon ein Star bist. Wenn du es machen willst, dann nur aus Leidenschaft.

Vielen Dank f├╝r das Interview!

Danke auch

(Interview: Max Neumeyer)
Links: www.gerhard-gradinger.at

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Bild zum Interview mit Gerhard Gradinger

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0 Kommentare | am 24. Jun 2008 geschrieben

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