Irfan Rehman

Das Interview mit Irfan Rehman ? Filmemacher

Am 27.Februar lud mich der talentierte Filmemacher Irfan Rehman zu sich nach Hause ein und nach einem starken Kaffee ließ ich mir die Chance nicht entgehen ihn zu interviewen. Wer weiß, vielleicht schafft es der 30 jährige Badener mit indischen Wurzeln (er selbst war noch nie in Indien) mit seinen neuen, ausgefallenen Ideen, den nächsten Oscar nach Österreich zu holen ? zuzutrauen wäre es ihm.

MAX: Hallo Irfan, es freut mich heute bei dir ganz privat zu Gast sein zu dürfen. Für unsere Starchat-User möchte ich dir gerne ein paar Fragen stellen.

IRFAN: Ok! (lacht)

MAX: Du bist 30 Jahre alt und hast vor ein paar Jahren schon deine eigene Filmproduktionsfirma gegründet. Wie bist du dazu gekommen und welche Tätigkeiten hast du als junger Firmenchef übernommen?

IRFAN: Begonnen hat alles mit meinem großen Interesse am Medium Film. Über eine Filmübung an der Publizistik-Uni habe ich meinen ersten Kurzfilm gedreht. Damals haben wir uns das Equipment noch von der Universität ausgeborgt und ich war für Drehbuch, Kamera und Schnitt verantwortlich, obwohl ich technisch erst wenig Erfahrung hatte.
Das Thema dieses Projektes war "Talkshow" und wir haben damals eine typische Klischee Talkshowsendung nachgestellt. Das ist dermaßen gut angekommen, dass ich gleich danach einen Experimentalfilmkurs besucht habe. Dort ist mein erster narrativer Kurzfilm entstanden, für den ich auch das Drehbuch geschrieben habe. Nach und nach sind die ersten kleineren Aufträge reingekommen und bald darauf habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen mich selbstständig zu machen.

MAX: Das ist ja ein großer Schritt, wie ist es dir dabei gegangen?

IRFAN: Anfänglich habe ich sehr viel alleine gemacht, aber das geht heute nicht mehr. Inzwischen ist das Team auf mehrere Personen angewachsen und diese Mitarbeiter bilden das Kernteam für jedes Projekt ? intern nennen wir es auch unser "Special Force Team" (lacht).
Heute führe ich in erster Linie Regie, habe aber fast zwangsweise auch gelernt zu produzieren, denn gute Produktionsabwicklung ist sehr wichtig, um einen Film zeitgerecht fertig stellen zu können. Ein gutes Team ist dafür essentiell.
Ich habe relativ früh erkannt, dass Filme machen ein Handwerk ist, man muss machen und darf nicht nur reden!

MAX: Du hast also das Meiste gelernt, indem du es einfach gemacht hast?

IRFAN: Genau, durch ?learning by doing and then, make it better.?

MAX: Welche Projekte konntest du bisher verwirklichen?

IRFAN: Ich habe bereits 10 Kurzfilme gemacht, zum Beispiel: "Der Kuss? und "Der Schrei? bei denen ich Produktion, Regie und Schnitt gemacht habe, "Einbahn" ? Produktion und Regie, oder "Läksvik", bei dem ich Co-Drehbuchautor war und den ich produziert habe. Bei diesen Projekten habe ich dramaturgisch und produktionstechnisch sehr viel gelernt.
Dann habe ich begonnen Musikvideos zu drehen für österreichische Bands wie Capsized, Mondscheiner, No more encore und Guadalajara. Wirklich Geld verdient man allerdings erst mit Imagefilmen für größere Unternehmen und mit Werbespots für TV und Kino, wo man das anwenden kann, was man in Musikvideo- und Kurzfilmproduktionen gelernt hat.

MAX: Und wie bist du damit zufrieden?

IRFAN: Viele Sachen würde ich heute natürlich anders machen, aber es gibt auch Projekte auf die ich sehr stolz bin. Wenn es nicht so wäre, würde ich mich bei Starmania bewerben und scheitern (lacht).
Ich versuche immer und bei jedem Projekt das Beste aus dem Team und mir rauszuholen, auch wenn das aufgrund mancher Budgetrahmen eine große Herausforderung ist. Filme zu produzieren bedeutet über 50 Prozent Planung und Planung hat leider immer sehr viel mit Geld zu tun.

MAX: Würdest du dich als Perfektionist bezeichnen?

IRFAN: In gewissen Bereichen bin ich sicher Perfektionist, in anderen dafür nicht so. Ich möchte perfekt arbeiten, aber nicht kleinlich sein. Für unnötige Kleinigkeiten fehlt beim Film meistens die Zeit.

MAX: Wie schwer ist es in Österreichs Film- und Fernsehbranche Fuß zu fassen?

IRFAN: Gute Frage. Nein, eigentlich ist es keine gute Frage. (lacht) Ich würde sagen, dass es auf die Ziele ankommt, die man sich setzt. Will man nur halbwegs gut verdienen, oder will man irgendwann eine Dankesrede auf Englisch und eine kleine goldene Statue in den Händen halten. Mein Ziel ist: Ich will mir in den nächsten Jahren ein Smoking kaufen müssen.
Man muss auf jeden Fall Durchhaltevermögen haben, um dort hinzukommen wo man hinwill. In finanziellen Notlagen war bei mir das gute Verhältnis zu meinen Eltern oft die Rettung.

MAX: Glaubst du, dass der Auslandsoscar für "Die Fälscher" einen Aufschwung für den österreichischen Film bedeutet?

IRFAN: Ich glaube es ist vor allem für die Filmemacher eine Bestätigung. Der Oscar motiviert aber auch viele andere Filmemacher hierzulande wieder an den eigenen Erfolg zu glauben. Geld und Zeit ist die Basis für gute Filme. Jetzt hängt es davon ab, ob öffentliche Stellen und Geldgeber auch mutiger werden junge Talente zu fördern.

MAX: Was würdest du jungen filminteressierten Menschen raten, die Regisseur werden wollen?

IRFAN: Ich rate jungen filminteressierten Leuten, die keine Filmausbildung machen, sich sehr früh mit Filmschnitt und Bildmontage auseinander zusetzen und parallel dazu viel Fachbücher zu lesen, dann kommen die Ideen oft von alleine. Außerdem ist wie gesagt auch das gute Verhältnis zu den Eltern, aber auch zu Freunden sehr wichtig, das gibt den nötigen Rückhalt. In der Filmbranche braucht man aber auch eine gewisse Art von Besessenheit.

MAX: Was sind deine Pläne, deine nächsten Projekte?

IRFAN: Das ist alles Top Secret! (lacht) Nein, kurz und mittelfristig stehen Musikvideos, Image- und Werbefilme in meinem Terminkalender. Seit einem Jahr arbeite ich außerdem an meinem ersten Spielfilmprojekt, welches ich in den nächsten drei Jahren umsetzen werde. Abschließend möchte ich noch sagen, dass Filme machen für mich eine Königsdisziplin ist, die verschiedene Künste wie Bild, Ton und Story miteinander verknüpft.

MAX: Danke für das Interview, könnte ich jetzt noch einen Kaffee haben?

IRFAN: Bitte, gerne. (lacht)
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Bild zum Interview mit Irfan Rehman

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0 Kommentare | am 11. Mar 2008 geschrieben

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