| Hallo Josef, du hast ja eine ganz seltene Karriere hinter dir und sicher noch viel vor dir. Kannst du unsere jungen Starchat ? Usern kurz etwas über dich und deine Laufbahn erzählen?
J: Hallo Max, sehr gerne. Mit 15 Jahren in die Polizeischule, mit 26 Jahren weg von der Sicherheitswache. Und das freiwillig!! Danach habe ich die Filmschule Wien im Bereich Drehbuch besucht. Nebenbei war ich Detektiv - immer bei Observationen eingeschlafen, Versicherungsvertreter - zu wenig Verwandte, Supervisor einer Bewachungsfirma - ich weiß bis heute noch nicht was das ist. 2003 entstand dann mein erstes abendfüllendes Soloprogramm ?Kinder seid´s stad!?. Es folgten die Programme ?100% Rauschfrei?, ?Sicher heit!? und ?ARTgerecht?. Wie bist du darauf gekommen vom Exekutivbeamten-Dasein auf die Kabarettbühne zu wechseln ? ich meine dass, da es ja zwei ganz konträre Berufe sind. J: Eigentlich sind die gar nicht so verschieden. Auch als Polizist stehst du ja im Prinzip täglich auf der Bühne. Und in vielen Situationen spielst du ja auch ?nur? eine eingelernte Rolle. Und der Grund zur Polizei zu gehen, war mein krankhaft ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Den lebe ich nun gefahrfreier auf der Bühne aus. Obwohl gefahrfreier stimmt ja gar nicht. Schauen ja wenn?s gut geht, wesentlich mehr Leute zu als beim Parkstrafenticket schreiben. Hast du in deinen vorangegangenen Programm auch Erlebnisse aus deiner Zeit als Polizist verarbeitet? J: In ?Sicher heit!? gibt es eine Szene über meinen alten Beruf. Aber ansonsten halte ich respektvollen Abstand. Na gut ich versuch es zumindest. Die meisten Polizisten leisten gute Arbeit und daher möchte ich nicht noch mehr zum Klischee des unguten Wachtlers beitragen. Aber es ist mir schon ein Anliegen, immer wieder darauf hinzuweisen: ?Hallo, da ist ein Mensch der sein Leben für uns in Gefahr bringt. Vor allem aber ein Mensch! Und da menschelt es halt wie in anderen Berufen auch. Also ein wenig mehr gegenseitiger Respekt und Verständnis wären schon super! Hast du leicht gehabt, dich auf der Bühne zurechtzufinden? J: Interessanterweise auf der Bühne ja. Ganz im Gegenteil zum Leben! Ich bin jetzt bald 38 Jahre alt und habe mein Leben erst seit,?.na sagen wir zwei bis drei Jahren in den Griff bekommen. Damit meine ich, eine zumindest annähernde Beständigkeit in vielen Dingen. Ich habe früher immer nur sehr wenig geplant und mich absolut treiben lassen. Keine Idee war mir zu blöd, kein Gedanke zu weit hergeholt. Folge dessen bin ich natürlich in sehr vielen Sackgassen gelandet. Aber dadurch habe ich auch das Weitermachen gelernt. Und auf der Bühne ist das ja die wichtigste Eigenschaft, neben Fleiß und ein wenig Talent. Die meisten Kabarettisten gehen autodidakt vor, hast du irgendwelche künstlerischen Ausbildungen gemacht? J: Wie erwähnt war ich an der Filmschule Wien. Dort habe ich mir zwei Jahre lang einiges angelernt. Dann war mein Geld zu Ende und ich musste umsatteln. Seither werkle ich auch auf der autodidaktischen Ebene. Wobei gerade beim Kabarett, wie ich denke, sehr viel mit Erfahrung zusammen hängt. Das kannst du nicht anlesen. Rauf auf die Bühne, Watschen holen und feiern lassen. Das ist das tägliche Brot, wodurch man zwangsläufig gescheiter wird, oder aufhört. Wie steht deine Familie seit dem Jobwechsel zu dir? J: Meine Frau hat selbst Theaterwissenschaft und Publizistik studiert und ist dadurch natürlich positiv vorbelastet. In den Zeiten wo wir den Kitt aus den Fenstern gefressen haben, hat sie nie gemault sondern neue Fenster beschafft. Sie ist der wichtigste Faktor, dass alles so funktioniert wie es momentan läuft. Wenn ich vor dem Aus gestanden bin, hat sie mich in den Arsch getreten und mich auf die Bühne getrieben. Sie hat doppelt so viel gearbeitet damit ich in den Anfangszeiten weiter machen kann. Ohne Sie geht gar nichts!! Mein Sohn ist jetzt 10 Jahre alt und lebt das Leben eines Künstlerkindes. Soll heißen wir versuchen viele Fehler nicht zu machen und machen daher viele andere. Er ist aber recht froh, dass ich kein Polizist mehr bin. Das wäre ihm viel zu gefährlich. Und nachdem er selbst große schauspielerische Ambitionen zeigt, überhaupt wenn er Aufgabe machen soll, findet er sich mit meiner Arbeit ganz gut zurecht. Wenn man deine Homepage anklickt, sieht man, dass du nicht nur Kabarett spielst sondern auch noch andere "Dienstleistungen" anbietest. Was hat es mit deiner Firma "Creative Adventure" auf sich? J: Die Firma habe ich im April 2006 gegründet. Ich wollte neben dem Kabarett gleichzeitig ein zweites Standbein aufbauen. Wir bieten unter anderem Veranstaltungsservice, also alles rund um Events für Firmen und Privatpersonen an. Zusätzlich halten wir noch hauseigene Seminare zum Thema ?Analyse der eigenen Wahrnehmung und Selbstreflexion? ab. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ist einfach, lustig und vor allem sehr nachhaltig. Auch als Ghostwriter werde ich ganz gern genommen. Und zwar für? jetzt ist allen das Herz stehen geblieben. Darf ich natürlich nicht sagen. Hauptaugenmerk haben wir bei der Vermittlung von Künstlern auf den Nachwuchsbereich. Gute Qualität zu leistbaren Preisen. Du hast 2007 mit dem Steyrer Kleinkunstpreis deinen ersten Kabarettpreis gewonnen. Hast du damit gerechnet? J: Natürlich hofft man bei der Teilnahme an einem Wettbewerb, dass man auch gewinnt. Jeder der etwas anderes sagt lügt, meiner Ansicht nach. Aber rechnen konnte ich natürlich nicht damit. Es waren ausgezeichnete Kollegen bei diesem Bewerb. Und schlussendlich gehört halt das bisserl Glück einfach dazu. Wenn alles zur richtigen Zeit passt, dann hast du gute Chancen. Das ist wie beim Sport. Der Zweite, Dritte,? im Ziel muss nicht unbedingt ein schlechterer Athlet sein als der Erste. Hat dir der Gewinn irgendetwas für deine künstlerische Laufbahn gebracht? J: Ja! Zum einen ist es für die Psyche super wenn du im Büro auf dein goldenes Mikrophon schauen kannst - lacht. Zum anderen haben sich aus dem Gewinn eine Reihe anderer Aufträge ergeben, die ich sonst nicht erhalten hätte. Und schlussendlich war ich ja auch in der Gemeindezeitung ? lacht. Und schließlich noch meine Standardfrage: Wenn dir dein Sohn in ein paar Jahren verkünden würde, dass er Künstler werden möchte, ...wie würdest du reagieren? J: Ihn in den Keller sperren und Schlüssel wegwerfen. Nein, natürlich Blödsinn. Ich würde ihn unterstützen. Wir haben seine kreativen Fähigkeiten immer am meisten gefördert. Wenn er Künstler werden will, warum nicht. Es ist ja auch für mich der schönste Beruf den es gibt! Reich wird man damit nicht, aber mit den meisten ?normalen? Arbeiten wird man das auch nicht. Nur vielleicht manchmal ein wenig unglücklicher. Darum mein Motto: Die Hoffnung stirbt nie zuletzt. Sie stirbt lange vor der noch immer vorhandenen Chance!? Viel Erfolg noch und Danke für das Interview! www.creativeadventure.at |
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| 0 Kommentare | am 06. May 2008 geschrieben | ||
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