Kat Von D ist der Shootingstar der Tattoo-Szene. Die gerade mal 27-Jährige mit Rockstar-Qualitäten,
die für ihre exakt gestochenen und sehr realistisch anmutenden Schwarz-Weiß-Porträts
bekannt ist, wurde durch die Realityserien Miami Ink und LA Ink weltberühmt, die bei uns mit
großem Erfolg auf DMAX ausgestrahlt werden.
Die in Mexiko geborene Amerikanerin war gerade 14, als sie das erste Mal selbst tätowierte,
und wusste sofort, dass dies ihre Berufung war. Schon mit Anfang 20 tätowierte sie in Hollywood
Musiker und Schauspieler. Ihr Können, aber auch ihr glamouröses Äußeres, trugen dazu
bei, dass sie 2004 für die Serie Miami Ink, die über den Alltag in einem Tattoostudio berichtet,
ausgewählt wurde. Seit sie 2007 nach L.A. zurückgekehrt ist, steht ihr Tattooshop High Voltage
Tattoo im Mittelpunkt der Serie LA Ink.
High Voltage
Tattoo erschien soeben als prachtovller Bildband bei Schwarzkopf & Schwarzkopf.
Der umfassende Bild-Text-Band präsentiert den Weg und das Schaffen der berühmten Tattoo-
Künstlerin. Kat Von D, eigentlich Katherine von Drachenberg, erzählt von ihrer Herkunft und wie
sie zu ihrem Beruf kam und widerlegt nebenbei mit ihrer Lebensgeschichte das Vorurteil, dass
Tätowieren mit einem zerrütteten Elternhaus und einer unglücklichen Kindheit zu tun haben
muss.
Auf mehreren Doppelseiten zeigt die sexy Tätowiererin ihre eigenen Tattoos und schildert, was
sie bedeuten. Sie präsentiert ihren eigenen Shop High Voltage Tattoo und gibt Tipps rund ums
Tattoo und das Tätowieren. Ausführlich stellt sie die Künstler vor, die sie selbst beeinflusst
haben, und gewährt dabei einen Einblick in die internationale Tattoo-Szene. Nicht zuletzt zeigt
sie ihre schönsten Werke, die sie Freunden und Bekannten aus der Musikszene gestochen hat.
Judith Tings führte eines der seltenen Interviews anlässlich des Erscheinens von High Voltage Tattoo
Können Sie mir ein bisschen mehr über sich erzählen? Sie sind in Südamerika
aufgewachsen und Ihr Nachname lautet »von Drachenberg« – das macht mich
neugierig!
Meine Ur-Urgroßeltern sind um die Jahrhundertwende von Deutschland nach
Argentinien ausgewandert. Meine Mutter und mein Vater sind in Argentinien
geboren, sie haben Missionsarbeit für die Kirche geleistet und sind viel herumgereist,
sodass mein Bruder, meine Schwester und ich in Mexiko geboren
wurden. Als wir schließlich in die USA kamen, war ich etwa vier Jahre alt.
Wie viel wissen Sie über Ihre deutschen Vorfahren und was bedeutet Ihnen
Deutschland? Waren Sie schon mal in Berlin?
Berlin steht auf meiner Liste der Orte, an die ich reisen möchte, an allererster
Stelle, ich würde so gern längere Zeit dort bleiben. Ich war bisher nur für wenige
Stunden in Berlin, außerdem war ich in Hamburg, Frankfurt und München,
aber es ging immer um Pressetermine, sodass ich keine Zeit hatte, mir die
Städte genauer anzuschauen.
Ich habe mir aber vorgenommen, sehr sehr bald wieder nach Deutschland zu
reisen. Mein kleiner Bruder und ich wollen nach Königswinter fahren, wo das
Schloss Drachenburg steht, um es zu fotografieren. Ich habe sogar schon darüber
nachgedacht, es zu kaufen, aber ich weiß nicht, ob das überhaupt möglich
ist, soweit ich weiß, ist es im Besitz einer Stiftung.
Das Tätowieren zu seinem Beruf zu machen, ist eine spannende Entscheidung.
Ich bin mir sicher, dass die meisten Eltern ein wenig besorgt wären, wenn sie
erfahren würden, dass ihre Tochter als Tätowiererin arbeiten möchte. Wie war
es bei Ihnen? Hatten Sie Probleme mit Ihren Eltern?
Es war ziemlich schwierig, ich glaube, meine Eltern haben nicht so richtig
verstanden, was ich tat. Sie glaubten, Tätowieren bedeutet, dass du mit einer
Gang von Bikern, Drogensüchtigen oder irgendwelchen Ganoven abhängst.
Der Tattoo-Branche hing lange Zeit ein solches Image
an, und meine Eltern brauchten einfach etwas Zeit, um
Verständnis für das Tätowieren zu entwickeln und zu
erkennen, was es mir bedeutet. Ich denke, dass die TVShow
meinen Eltern und auch vielen anderen die Augen
geöffnet hat, ebenso wie mein Buch, das die Menschen
in einer positiven Art und Weise an das Tätowieren heranführt.
Wie sind Sie zu der Realityshow »Miami Ink« gekommen
und wieso haben Sie dort aufgehört? Es war eine
sehr erfolgreiche Sendung, oder?
»Miami Ink« war der Beginn des Erfolges der Tattoo-TVShow.
Für mich bedeutete das in erster Linie, dass ich
von mittags bis nachts ständig tätowieren konnte. Als
mir angeboten wurde, Teil der Show zu werden, hatte
ich keine Ahnung, was damit alles zusammenhing.
Ich hatte seit zwölf Jahren nicht mehr ferngesehen und
das machte es zuerst ein wenig schwierig für mich, aber
die Show lief wirklich gut. Leider gab es eine Menge
Reibungspunkte zwischen dem Besitzer des Ladens, in
dem wir drehten, und mir.
Als ich mich entschied, die Show zu verlassen, dachte
ich, es wäre besser, meinen eigenen Shop zu eröffnen,
mit einem Team aus Leuten, die ich richtig mag. Das
habe ich dann getan.
Sie haben Ihren eigenen Shop, »High Voltage Tattoo«,
und Ihre eigene TV-Show, »LA Ink«. Was war Ihnen bei
der Umsetzung dieser Projekte wichtig?
Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich bei
»Miami Ink« gesammelt habe. Dort habe ich viel gelernt,
unter anderem auch, was ich nicht möchte. Als
Shop-Besitzerin war es mir extrem wichtig, ein kreatives
und inspirierendes Umfeld zu schaffen, mit einer Tattoo-
Familie, die die Welt ein bisschen besser macht.
Ich konnte ein Team von Leuten zusammenstellen, die in
sämtlichen Bereichen Meister ihrer Kunst sind. Ich wollte
einen Shop, in den jeder einfach reinkommen kann,
egal, welche Art von Tattoo er möchte, er würde dort jemanden
finden, der ihm seinen Wunsch erfüllt.
Für die TV-Show wollte ich genau so ein Team. Es wäre
einfach für mich gewesen, einfach nur einen Haufenharter Frauen mit Persönlichkeit zu casten, aber es ging um die Repräsentation
der Tattoo-Industrie, das war für mich das Entscheidende, deshalb wollte ich
vor allem etwas Positives transportieren.
Heute sind Sie eine Celebrity und ein Reality-TV-Star. Wie hat sich das auf Ihre
Arbeit und Ihre Selbstwahrnehmung ausgewirkt?
Ich denke, wenn mich etwas angetrieben hat, meine Tätowierkunst immer weiter
zu verbessern, dann meine eigenen Grundsätze, denn es wird immer Kritik
geben, ob positiv oder negativ. Was die Selbstwahrnehmung betrifft, gab es
Momente, in denen ich alles in Frage gestellt habe – man ist so viel Druck und
Kritik ausgesetzt, wenn man im Rampenlicht steht, und wenn man darauf hört,
kann man schnell den Glauben an sich selbst verlieren. Ich habe mich in meiner
Haut eigentlich immer sehr wohl gefühlt, aber wenn du plötzlich mit Models
und solchen Leuten verglichen wirst, musst du wirklich aufpassen, dich
nicht davon beeinflussen zu lassen, besonders hier in Los Angeles.
Glücklicherweise habe ich es geschafft, ziemlich bodenständig zu bleiben,
deshalb habe ich auch oft meine Familie um mich herum, und ich versuche,
mich mit guten Menschen zu umgeben.
Ich nehme an, dass Sie schon ausgebucht waren, bevor Ihr Buch erschienen
ist. Hat das Buch noch mehr Menschen dazu animiert, sich von Ihnen tätowieren
zu lassen?
Ja, ich denke, das Buch ist eine tolle Möglichkeit, meine Botschaft an die Leute
zu bringen. Ich habe es nicht nur für Fans von »LA Ink« geschrieben.
Jeder soll das Buch lesen können und etwas daraus mitnehmen und lernen. Ich
möchte nicht nur als jemand wahrgenommen werden, der im Fernsehen ist,
und ich möchte nicht nur ein Name in der Tattoo-Welt sein.
Meine Arbeit soll für sich selbst sprechen und das Buch hilft dabei. Es gibt außerdem
viele persönliche Geschichten und man bekommt auf jeden Fall etwas
Cooles zum Anschauen.
Sie sind eine berühmte Tätowiererin, international für Ihren Stil bekannt und
bestimmt unglaublich beschäftigt. Wie entstand die Idee, ein Buch zu machen,
und wie haben Sie das Projekt entwickelt?
Der Verlag ist auf mich zugekommen und hat mir das Buchprojekt angeboten.
Ich fand die Idee interessant, die Tattoo-Welt aus meinem Blickwinkel, also aus
der Sicht eines Insiders, darzustellen. Ich wollte auf keinen Fall eine Autobiografie
schreiben und es ist auch keine geworden.
Es gibt einen autobiografischen Teil im Buch, der ein bisschen davon erzählt,
wo ich herkomme, aber ich wollte den Fokus immer auf der Kunst des Tätowierens
lassen und die vielen Fragen beantworten, die die Leute sich stellen.
Wenn du noch nie in einem Tattoo-Shop warst, hast du viele Fragen.
Obwohl ich schon vorher ausgelastet war, hat mir die Arbeit
an dem Buch großen Spaß gemacht. Ich konnte mit vielen
Künstlern zusammenarbeiten, konnte Porträts anderer
Künstler zusammenstellen und so den Lesern zeigen, worum
es beim Tätowieren geht. Es war cool, es hat viel Spaß
gemacht.
Das Design des Buches ist spektakulär und passt toll zum Stil Ihrer
Arbeit. Ich bin sicher, dass Sie eine sehr genaue Vorstellung davon
hatten, was Sie wollten. Wie haben Sie sichergestellt, dass alles so
umgesetzt wurde?
Ich war ziemlich wählerisch. Ich wollte dem gesamten Buch
eine romantische Seite verleihen – mein Buch ist ein persönlicher
Liebesbrief an das Tätowieren.
Als wir das Gesamtkonzept kreiert haben, wollte ich, dass
das Buch wie ein Tagebuch wirkt, es sollte sich gut in den
Händen anfühlen und zwischen anderen Büchern im Regal
hervorstechen, aber nicht laut und aufdringlich, sondern
mehr wie: Wow, es sieht aus wie ein Märchenbuch!
Wer hat an Ihrem Buch mitgewirkt? Die Fotografien sind beeindruckend,
wie haben Sie Ihren Fotografen ausgewählt?
Lionel Deluy ist eigentlich als Modefotograf bekannt. Nach
einem Shooting, das er mit mir während meiner Pressewoche
für die erste Staffel von »LA Ink« gemacht hat, sind wir
sehr gute Freunde geworden. Er hat mich für ein Magazin
fotografiert und ich erinnere mich, dass die Chemie zwischen
uns sofort gestimmt hat.
Er ist aus Frankreich und ich glaube, seine ganze Mentalität
und die Art, Dinge mit einem Handschlag auszumachen,
hat mir gefallen. Heutzutage ist es so schwer, zumindest in
dieser Kultur, sein Wort zu halten. Ich habe schon immer
Leute gemocht, die zu ihrem Wort stehen und sagen: Scheiß
auf die Anwälte, scheiß auf den Vertrag. Ich möchte in der
Lage sein, einfach zu sagen: Hey, ich glaube an das, was Du
tust, und finde, die Leute müssen davon erfahren, und Du
magst, was ich mache, also lass uns zusammenarbeiten!
Auch wenn es viel Mühe gemacht hat, war es mir wichtig,
dass das Buch durchgehend toll aussieht und nicht nur der
Inhalt überzeugt.
Als ich Ihr Buch gelesen habe, hatte ich den Eindruck, dass Sie für
viele Menschen eine Art Therapeutin sind. Sie helfen ihnen, mit Problemen fertig zu werden, wenn Sie sie tätowieren. Zehrt das an Ihren Kräften
oder macht es Sie vielleicht stärker?
Beides, glaube ich. Auf lange Sicht kann ich gut damit umgehen, ich lerne
jedenfalls viel von meinen Kunden und ihren Geschichten, aber gleichzeitig
habe ich es mit unglaublich sensiblen, emotional aufgeladenen Menschen zu
tun, die sich aus bestimmten Gründen für ihr Tattoo entschieden haben, sie
lassen sich nicht tätowieren, weil sie gelangweilt sind.
Ich glaube, die wichtigste Lektion, die ich von meinen Kunden gelernt habe, ist
das Zuhören. Viele Menschen suchen einfach jemanden, mit dem sie sprechen
können. Es fällt zum Beispiel vielen Leuten schwer, über den Tod zu sprechen.
Für mich ist dieses Thema kein Problem, sodass der Kunde ein gewisses Vertrauen
zu mir aufbaut. Das ist wichtig, denn das Tätowieren ist eine intime
Angelegenheit.
Aber ich steche auch lustige und thematisch unbeschwerte Tattoos. Am Anfang
fiel es mir schon schwer, auf die Erwartungen und Bedürfnisse meiner Kunden
einzugehen, und ich bin auch heute keinesfalls eine professionelle Therapeutin
und ich tue nicht so, als könnte ich die Probleme meiner Kunden lösen, aber
ich höre ihnen definitiv zu.
Viele Rezensenten scheinen überrascht zu sein, wie viele verschiedene Aspekte
des Tätowierens Sie in Ihrem Buch ansprechen. Wie lange haben Sie an
dem Konzept gearbeitet und wie lange hat es gedauert, bis das Buch fertig
war?
Die Arbeit an dem Buch hat fast ein Jahr gedauert. Zuerst haben wir das Grundgerüst
erarbeitet, mit allen Themen, die wir berücksichtigen wollten. Danach
ging es erst richtig los: Wir mussten über einhundert Kunden fotografieren, zu
jedem einen Text verfassen und diese thematisch geordnet im Buch platzieren.
Das Aufschreiben meiner Gedanken zu jeder Tätowierung ist mir leicht gefallen,
denn ich mache Tagebucheinträge über jeden, den ich jemals tätowiert
habe. Es ist also sehr einfach für mich, über das Tätowieren zu sprechen und
es zu beschreiben. Daher wette ich, dass meine Tippfehler die größte Baustelle
für meinen Lektor waren.
Ein richtig guter Tätowierer ist an seinem einzigartigen, unnachahmlichen Stil
erkennbar. Sie sind zum Beispiel bekannt für Ihre detaillierten lebensnahen
Porträts. Wie haben Sie Ihre eigene Handschrift als Künstlerin entwickelt?
Wenn man als Tätowiererin in einem sehr üblen Teil der Stadt aufwächst, ist
der am häufigsten vorkommende Stil, den man in Südkalifornien sehen kann,
der Grey & Black Stil.
Er beinhaltet eine Menge Handschrift: Viele Leute lassen sich die Namen ihrer
Freundinnen oder Freunde stechen, andere »in Liebe und Gedenken an« und
wieder andere ihren eigenen Nachnamen. Ich habe mich also von Anfang anmit der Komposition von Schrift beschäftigt. Bereits als Kind liebte
ich die Kalligrafie und habe sehr viel geübt.
Wovon lassen Sie sich bei Ihrer Arbeit inspirieren?
Bei der täglichen Arbeit inspirieren mich ganz klar meine Mitarbeiter.
In meinem Buch habe ich den Künstlern, die mich beeinflussen,
ein ganzes Kapitel gewidmet, manche von ihnen sind Tätowierer,
aber es gibt auch Maler, die für mich sehr wichtig waren.
Mir lag viel daran, das im Buch aufzugreifen, denn ohne diese Künstler
wäre mein Stil heute ein anderer. In meinem Laden hängt ja auch
keine Tätowierkunst, sondern Ölgemälde, klassische Porträts im Stil
der alten Meister, denn das inspiriert mich mehr als die Tattoos, die
wir täglich stechen.
Musik ist Ihnen offenbar auch sehr wichtig, was hören
Sie denn bei der Arbeit?
Ich bin ziemlich offen, was meine musikalischen Vorlieben angeht.
Auf meinem iPod habe ich ganz viele Playlists, von Klassik bis Metal
ist so ziemlich alles dabei. In letzter Zeit habe ich Audiobooks für
mich entdeckt, aber das tue ich meinen Kunden nicht an. Neil Young
höre ich sehr viel, ich liebe seine Musik.
Gibt es jemanden, den Sie unbedingt tätowieren möchten?
Das werde ich öfter gefragt, aber bei mir sind keine Wünsche offen.
Lemmy von Motörhead habe ich schon tätowiert, und meine Lieblingssängerin
Johnette Napolitano auch.
Und Leute, die nicht auf Tattoos stehen, würde ich auch nicht tätowieren
wollen, da ist es ganz egal, wie toll ich sie sonst finde. Mich
interessiert sowieso mehr das Motiv und die Geschichte dahinter,
wenn jemand mit einem Porträt kommt und mir erzählt, welche Rolle
diese Person in seinem Leben spielt, das finde ich spannend.
Wie sieht denn ein ganz normaler Arbeitstag im Leben einer
Tätowiererin aus?
Wenn wir nicht gerade die Sendung filmen, dann tätowiere ich so
ziemlich durchgängig die ganze Woche, ab mittags bis 22 Uhr ungefähr.
Wenn wir drehen, dann kostet das extrem viel Zeit, und ich
versuche, um sechs Uhr nach Hause zu gehen, weil ich noch Zeit für
meine Familie, für meinen Freund Nikki Sixx und seine Kinder haben
will.
Mir ist es wichtig, da ein Gleichgewicht zu haben, früher habe ich nur gearbeitet
und dann nachts allein im Zimmer gesessen. Nun habe ich mir die Sonntage
frei genommen und nutze sie zum Fotografieren.
Sie sind eine auffällig attraktive Frau in einer sehr stark von Männern dominierten
Szene. Hat das Ihre Karriere beeinflusst? Gibt es Tätowiererinnen, die
Sie bewundern?
Es gibt ganz sicher Tätowiererinnen, deren Arbeit ich bewundere, aber für mich
war das Geschlecht nie ausschlaggebend, wenn ich mir meine Vorbilder ausgesucht
habe. Natürlich bewundere ich viele weibliche Künstler, so die Regisseurin
und Fotografin Maya Deren, aber auch Frida Kahlo, und auch Johnette
Napolitano, meine Lieblingssängerin.
Diese Frauen haben mich beeinflusst, weil sie stark sind, unabhängig und aus
sich selbst heraus kreativ. Aber in der Tattoo-Szene orientiere ich mich wirklich
eher an den Arbeiten der anderen, nicht so sehr an der Person, und da haben
Männer letzten Endes eine größere Rolle gespielt.
Was müsste ich denn anstellen, um von Ihnen tätowiert zu werden? Ich bin
schließlich nicht berühmt.
Hey, ich tätowiere auch sehr gern ganz normale Leute! Ich habe eine Warteliste
und bin immer so für zwei Monate im Voraus ausgebucht, länger plane ich
nicht, denn es kann ja immer was dazwischen kommen.
Termine kann man per E-Mail bei mir anfragen und auf meiner Website kann
man mich auch buchen. Durch meine Sendung »LA Ink« ist der Eindruck entstanden,
dass man hier ganz schwer reinkommt, aber das stimmt überhaupt
nicht.
Gibt es Motive, die Sie aus politischen oder persönlichen Gründen nicht tätowieren?
Flaggen oder Adler habe ich nämlich im Buch überhaupt nicht gefunden.
Ich steche keine Motive, mit denen ich moralische Probleme habe, und wenn
ich generell das Gefühl habe, dass ein bestimmtes Motiv später bereut werden
könnte, dann tue ich, was ich kann, um es dem Kunden auszureden.
Rassistische Vorlagen tätowiere ich auch nicht und bei Gang-Markierungen
bin ich extrem vorsichtig. Und selbst guten Freunden würde ich mächtig ins
Gewissen reden, wenn sie sich gleich nach der ersten gemeinsamen Nacht die
neue Liebe stechen lassen wollen.
Welches war eigentlich Ihr erstes Tattoo? Bereuen Sie ein Tattoo auf ihrem
Körper?
Mein erstes Tattoo war ein J auf meinem linken Knöchel, es steht für James,
meine erste große Liebe. Wir waren drei Jahre zusammen und das Tattoo werde ich ganz bestimmt niemals verdecken lassen. Ich liebe alle
meine Tattoos, jedes erinnert mich an eine bestimmte Zeit
in meinem Leben.
Zählen kann ich meine Tätowierungen nicht mehr, sie sind
alle zu einem Ganzkörperkunstwerk verschmolzen. Ich weiß
nur, dass ich von dreißig bis vierzig verschiedenen Künstlern
tätowiert wurde.
Für viele »LA Ink«-Fans sind Sie ein großes Vorbild.
Haben Sie irgendwelche
Tipps für junge Tätowierer parat, die ganz am Anfang
ihres Weges stehen?
Ich stehe generell nicht so auf Tipps und Ratschläge, jeder
muss sich da selbst durchbeißen. Ich selbst habe keine
klassische Ausbildung, aber ich glaube, das ist schon der
beste Einstieg in die Welt des Tätowierens.
Ein erfahrener Tätowierer kann dir sehr viel beibringen,
angefangen damit, wie essenziell eine sterile Arbeitsumgebung
ist, bis hin zu verschiedenen Tricks, die den Lernprozess
beschleunigen. Man sollte sich diesen Berufsweg
wirklich gut überlegen, das ist kein Job für jeden, bloß weil
es im Fernsehen so cool aussieht.
Ihre deutschen Fans kennen Sie aus der Sendung »LA Ink«, die bei
uns auf DMAX ausgestrahlt wird. Gibt es denn kulturelle Unterschiede
bei den Tattoo-Wünschen, würde sich ein deutscher Kunde ein
ganz anderes Motiv stechen lassen als ein chinesischer Kunde?
Mein Eindruck ist, dass es da sehr große Unterschiede gibt,
einfach wegen der verschiedenen Kulturen. Selbst in den
USA gibt es starke regionale Vorlieben, Südkalifornier stehen
auf andere Styles als Nordkalifornier.
Das kann man gut mit der Musikszene vergleichen, es gibt
ganz viele Genres und jeder sucht sich sein Ding aus. Wenn
man ein klassisches japanisches Tattoo haben will, sollte
man sich das natürlich in Japan stechen lassen, für ein kalifornisches
Gangster-Tattoo ist L.A. der richtige Ort.
Ich bin noch nicht so oft in Deutschland gewesen, aber ich
weiß, dass Tribal-Tattoos dort lange ziemlich in waren, gerade
in der Industrial-Szene. Ich find es gut, dass es diese
kulturellen Unterschiede gibt, so hat jedes Land eine eigene
Tattoo-Sprache.
Wie geht es bei Ihnen weiter, was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?
Sie meinen, abgesehen von der Weltherrschaft?
Ich arbeite gerade an meinem
zweiten Buch und fotografiere sehr viel.
Ich möchte viel Zeit für meine Familie haben, viel kreativ arbeiten, ich will Klamotten
entwerfen, Schmuck machen, fotografieren, stylen, Sets kreieren ...
Die Sendung will ich nicht für den Rest meines Lebens machen, ich möchte
reisen können, mich entspannen und ausprobieren
Alle Fotos: Lionel Deluy
Kat Von D High Voltage Tattoo
176 Seiten, ca. 500 Abbildungen Premium-Hardcover mit wattiertem Umschlag Übersetzt von Thorsten Wortmann
ISBN 978-3-89602-927-0
Preis 29,90 EUR (D) | 48,90 CHF (UVP)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2009
www.schwarzkopf-schwarzkopf.de |
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Alle Fotos: Lionel Deluy
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MissTake86
sorry aber es gibt keine bessere ;D
was würde ich tun um ein tattoo von ihr zu kriegen *G*