Kat Von D

Kat Von D ist der Shootingstar der Tattoo-Szene. Die gerade mal 27-J√§hrige mit Rockstar-Qualit√§ten, die f√ľr ihre exakt gestochenen und sehr realistisch anmutenden Schwarz-Wei√ü-Portr√§ts bekannt ist, wurde durch die Realityserien Miami Ink und LA Ink weltber√ľhmt, die bei uns mit gro√üem Erfolg auf DMAX ausgestrahlt werden. Die in Mexiko geborene Amerikanerin war gerade 14, als sie das erste Mal selbst t√§towierte, und wusste sofort, dass dies ihre Berufung war. Schon mit Anfang 20 t√§towierte sie in Hollywood Musiker und Schauspieler. Ihr K√∂nnen, aber auch ihr glamour√∂ses √Ąu√üeres, trugen dazu bei, dass sie 2004 f√ľr die Serie Miami Ink, die √ľber den Alltag in einem Tattoostudio berichtet, ausgew√§hlt wurde. Seit sie 2007 nach L.A. zur√ľckgekehrt ist, steht ihr Tattooshop High Voltage Tattoo im Mittelpunkt der Serie LA Ink.

High Voltage Tattoo erschien soeben als prachtovller Bildband bei Schwarzkopf & Schwarzkopf. Der umfassende Bild-Text-Band pr√§sentiert den Weg und das Schaffen der ber√ľhmten Tattoo- K√ľnstlerin. Kat Von D, eigentlich Katherine von Drachenberg, erz√§hlt von ihrer Herkunft und wie sie zu ihrem Beruf kam und widerlegt nebenbei mit ihrer Lebensgeschichte das Vorurteil, dass T√§towieren mit einem zerr√ľtteten Elternhaus und einer ungl√ľcklichen Kindheit zu tun haben muss. Auf mehreren Doppelseiten zeigt die sexy T√§towiererin ihre eigenen Tattoos und schildert, was sie bedeuten. Sie pr√§sentiert ihren eigenen Shop High Voltage Tattoo und gibt Tipps rund ums Tattoo und das T√§towieren. Ausf√ľhrlich stellt sie die K√ľnstler vor, die sie selbst beeinflusst haben, und gew√§hrt dabei einen Einblick in die internationale Tattoo-Szene. Nicht zuletzt zeigt sie ihre sch√∂nsten Werke, die sie Freunden und Bekannten aus der Musikszene gestochen hat.

Judith Tings f√ľhrte eines der seltenen Interviews anl√§sslich des Erscheinens von High Voltage Tattoo

K√∂nnen Sie mir ein bisschen mehr √ľber sich erz√§hlen? Sie sind in S√ľdamerika aufgewachsen und Ihr Nachname lautet ¬Ľvon Drachenberg¬ę – das macht mich neugierig!

Meine Ur-Urgro√üeltern sind um die Jahrhundertwende von Deutschland nach Argentinien ausgewandert. Meine Mutter und mein Vater sind in Argentinien geboren, sie haben Missionsarbeit f√ľr die Kirche geleistet und sind viel herumgereist, sodass mein Bruder, meine Schwester und ich in Mexiko geboren wurden. Als wir schlie√ülich in die USA kamen, war ich etwa vier Jahre alt.

Wie viel wissen Sie √ľber Ihre deutschen Vorfahren und was bedeutet Ihnen Deutschland? Waren Sie schon mal in Berlin?


Berlin steht auf meiner Liste der Orte, an die ich reisen m√∂chte, an allererster Stelle, ich w√ľrde so gern l√§ngere Zeit dort bleiben. Ich war bisher nur f√ľr wenige Stunden in Berlin, au√üerdem war ich in Hamburg, Frankfurt und M√ľnchen, aber es ging immer um Pressetermine, sodass ich keine Zeit hatte, mir die St√§dte genauer anzuschauen. Ich habe mir aber vorgenommen, sehr sehr bald wieder nach Deutschland zu reisen. Mein kleiner Bruder und ich wollen nach K√∂nigswinter fahren, wo das Schloss Drachenburg steht, um es zu fotografieren. Ich habe sogar schon dar√ľber nachgedacht, es zu kaufen, aber ich wei√ü nicht, ob das √ľberhaupt m√∂glich ist, soweit ich wei√ü, ist es im Besitz einer Stiftung.

Das T√§towieren zu seinem Beruf zu machen, ist eine spannende Entscheidung. Ich bin mir sicher, dass die meisten Eltern ein wenig besorgt w√§ren, wenn sie erfahren w√ľrden, dass ihre Tochter als T√§towiererin arbeiten m√∂chte. Wie war es bei Ihnen? Hatten Sie Probleme mit Ihren Eltern?

Es war ziemlich schwierig, ich glaube, meine Eltern haben nicht so richtig verstanden, was ich tat. Sie glaubten, T√§towieren bedeutet, dass du mit einer Gang von Bikern, Drogens√ľchtigen oder irgendwelchen Ganoven abh√§ngst.

Der Tattoo-Branche hing lange Zeit ein solches Image an, und meine Eltern brauchten einfach etwas Zeit, um Verst√§ndnis f√ľr das T√§towieren zu entwickeln und zu erkennen, was es mir bedeutet. Ich denke, dass die TVShow meinen Eltern und auch vielen anderen die Augen ge√∂ffnet hat, ebenso wie mein Buch, das die Menschen in einer positiven Art und Weise an das T√§towieren heranf√ľhrt.

Wie sind Sie zu der Realityshow ¬ĽMiami Ink¬ę gekommen und wieso haben Sie dort aufgeh√∂rt? Es war eine sehr erfolgreiche Sendung, oder?

¬ĽMiami Ink¬ę war der Beginn des Erfolges der Tattoo-TVShow. F√ľr mich bedeutete das in erster Linie, dass ich von mittags bis nachts st√§ndig t√§towieren konnte. Als mir angeboten wurde, Teil der Show zu werden, hatte ich keine Ahnung, was damit alles zusammenhing. Ich hatte seit zw√∂lf Jahren nicht mehr ferngesehen und das machte es zuerst ein wenig schwierig f√ľr mich, aber die Show lief wirklich gut. Leider gab es eine Menge Reibungspunkte zwischen dem Besitzer des Ladens, in dem wir drehten, und mir. Als ich mich entschied, die Show zu verlassen, dachte ich, es w√§re besser, meinen eigenen Shop zu er√∂ffnen, mit einem Team aus Leuten, die ich richtig mag. Das habe ich dann getan.

Sie haben Ihren eigenen Shop, ¬ĽHigh Voltage Tattoo¬ę, und Ihre eigene TV-Show, ¬ĽLA Ink¬ę. Was war Ihnen bei der Umsetzung dieser Projekte wichtig?


Ich bin sehr dankbar f√ľr die Erfahrungen, die ich bei ¬ĽMiami Ink¬ę gesammelt habe. Dort habe ich viel gelernt, unter anderem auch, was ich nicht m√∂chte. Als Shop-Besitzerin war es mir extrem wichtig, ein kreatives und inspirierendes Umfeld zu schaffen, mit einer Tattoo- Familie, die die Welt ein bisschen besser macht. Ich konnte ein Team von Leuten zusammenstellen, die in s√§mtlichen Bereichen Meister ihrer Kunst sind. Ich wollte einen Shop, in den jeder einfach reinkommen kann, egal, welche Art von Tattoo er m√∂chte, er w√ľrde dort jemanden finden, der ihm seinen Wunsch erf√ľllt. F√ľr die TV-Show wollte ich genau so ein Team. Es w√§re einfach f√ľr mich gewesen, einfach nur einen Haufenharter Frauen mit Pers√∂nlichkeit zu casten, aber es ging um die Repr√§sentation der Tattoo-Industrie, das war f√ľr mich das Entscheidende, deshalb wollte ich vor allem etwas Positives transportieren.

Heute sind Sie eine Celebrity und ein Reality-TV-Star. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit und Ihre Selbstwahrnehmung ausgewirkt?

Ich denke, wenn mich etwas angetrieben hat, meine T√§towierkunst immer weiter zu verbessern, dann meine eigenen Grunds√§tze, denn es wird immer Kritik geben, ob positiv oder negativ. Was die Selbstwahrnehmung betrifft, gab es Momente, in denen ich alles in Frage gestellt habe – man ist so viel Druck und Kritik ausgesetzt, wenn man im Rampenlicht steht, und wenn man darauf h√∂rt, kann man schnell den Glauben an sich selbst verlieren. Ich habe mich in meiner Haut eigentlich immer sehr wohl gef√ľhlt, aber wenn du pl√∂tzlich mit Models und solchen Leuten verglichen wirst, musst du wirklich aufpassen, dich nicht davon beeinflussen zu lassen, besonders hier in Los Angeles. Gl√ľcklicherweise habe ich es geschafft, ziemlich bodenst√§ndig zu bleiben, deshalb habe ich auch oft meine Familie um mich herum, und ich versuche, mich mit guten Menschen zu umgeben.

Ich nehme an, dass Sie schon ausgebucht waren, bevor Ihr Buch erschienen ist. Hat das Buch noch mehr Menschen dazu animiert, sich von Ihnen tätowieren zu lassen?

Ja, ich denke, das Buch ist eine tolle M√∂glichkeit, meine Botschaft an die Leute zu bringen. Ich habe es nicht nur f√ľr Fans von ¬ĽLA Ink¬ę geschrieben. Jeder soll das Buch lesen k√∂nnen und etwas daraus mitnehmen und lernen. Ich m√∂chte nicht nur als jemand wahrgenommen werden, der im Fernsehen ist, und ich m√∂chte nicht nur ein Name in der Tattoo-Welt sein. Meine Arbeit soll f√ľr sich selbst sprechen und das Buch hilft dabei. Es gibt au√üerdem viele pers√∂nliche Geschichten und man bekommt auf jeden Fall etwas Cooles zum Anschauen.

Sie sind eine ber√ľhmte T√§towiererin, international f√ľr Ihren Stil bekannt und bestimmt unglaublich besch√§ftigt. Wie entstand die Idee, ein Buch zu machen, und wie haben Sie das Projekt entwickelt?

Der Verlag ist auf mich zugekommen und hat mir das Buchprojekt angeboten. Ich fand die Idee interessant, die Tattoo-Welt aus meinem Blickwinkel, also aus der Sicht eines Insiders, darzustellen. Ich wollte auf keinen Fall eine Autobiografie schreiben und es ist auch keine geworden. Es gibt einen autobiografischen Teil im Buch, der ein bisschen davon erzählt, wo ich herkomme, aber ich wollte den Fokus immer auf der Kunst des Tätowierens lassen und die vielen Fragen beantworten, die die Leute sich stellen. Wenn du noch nie in einem Tattoo-Shop warst, hast du viele Fragen.

Obwohl ich schon vorher ausgelastet war, hat mir die Arbeit an dem Buch gro√üen Spa√ü gemacht. Ich konnte mit vielen K√ľnstlern zusammenarbeiten, konnte Portr√§ts anderer K√ľnstler zusammenstellen und so den Lesern zeigen, worum es beim T√§towieren geht. Es war cool, es hat viel Spa√ü gemacht.

Das Design des Buches ist spektakulär und passt toll zum Stil Ihrer Arbeit. Ich bin sicher, dass Sie eine sehr genaue Vorstellung davon hatten, was Sie wollten. Wie haben Sie sichergestellt, dass alles so umgesetzt wurde?

Ich war ziemlich w√§hlerisch. Ich wollte dem gesamten Buch eine romantische Seite verleihen – mein Buch ist ein pers√∂nlicher Liebesbrief an das T√§towieren. Als wir das Gesamtkonzept kreiert haben, wollte ich, dass das Buch wie ein Tagebuch wirkt, es sollte sich gut in den H√§nden anf√ľhlen und zwischen anderen B√ľchern im Regal hervorstechen, aber nicht laut und aufdringlich, sondern mehr wie: Wow, es sieht aus wie ein M√§rchenbuch!

Wer hat an Ihrem Buch mitgewirkt? Die Fotografien sind beeindruckend, wie haben Sie Ihren Fotografen ausgewählt?

Lionel Deluy ist eigentlich als Modefotograf bekannt. Nach einem Shooting, das er mit mir w√§hrend meiner Pressewoche f√ľr die erste Staffel von ¬ĽLA Ink¬ę gemacht hat, sind wir sehr gute Freunde geworden. Er hat mich f√ľr ein Magazin fotografiert und ich erinnere mich, dass die Chemie zwischen uns sofort gestimmt hat.

Er ist aus Frankreich und ich glaube, seine ganze Mentalit√§t und die Art, Dinge mit einem Handschlag auszumachen, hat mir gefallen. Heutzutage ist es so schwer, zumindest in dieser Kultur, sein Wort zu halten. Ich habe schon immer Leute gemocht, die zu ihrem Wort stehen und sagen: Schei√ü auf die Anw√§lte, schei√ü auf den Vertrag. Ich m√∂chte in der Lage sein, einfach zu sagen: Hey, ich glaube an das, was Du tust, und finde, die Leute m√ľssen davon erfahren, und Du magst, was ich mache, also lass uns zusammenarbeiten!

Auch wenn es viel M√ľhe gemacht hat, war es mir wichtig, dass das Buch durchgehend toll aussieht und nicht nur der Inhalt √ľberzeugt.

Als ich Ihr Buch gelesen habe, hatte ich den Eindruck, dass Sie f√ľr viele Menschen eine Art Therapeutin sind. Sie helfen ihnen, mit Problemen fertig zu werden, wenn Sie sie t√§towieren. Zehrt das an Ihren Kr√§ften oder macht es Sie vielleicht st√§rker?

Beides, glaube ich. Auf lange Sicht kann ich gut damit umgehen, ich lerne jedenfalls viel von meinen Kunden und ihren Geschichten, aber gleichzeitig habe ich es mit unglaublich sensiblen, emotional aufgeladenen Menschen zu tun, die sich aus bestimmten Gr√ľnden f√ľr ihr Tattoo entschieden haben, sie lassen sich nicht t√§towieren, weil sie gelangweilt sind.

Ich glaube, die wichtigste Lektion, die ich von meinen Kunden gelernt habe, ist das Zuh√∂ren. Viele Menschen suchen einfach jemanden, mit dem sie sprechen k√∂nnen. Es f√§llt zum Beispiel vielen Leuten schwer, √ľber den Tod zu sprechen. F√ľr mich ist dieses Thema kein Problem, sodass der Kunde ein gewisses Vertrauen zu mir aufbaut. Das ist wichtig, denn das T√§towieren ist eine intime Angelegenheit.

Aber ich steche auch lustige und thematisch unbeschwerte Tattoos. Am Anfang fiel es mir schon schwer, auf die Erwartungen und Bed√ľrfnisse meiner Kunden einzugehen, und ich bin auch heute keinesfalls eine professionelle Therapeutin und ich tue nicht so, als k√∂nnte ich die Probleme meiner Kunden l√∂sen, aber ich h√∂re ihnen definitiv zu.

Viele Rezensenten scheinen √ľberrascht zu sein, wie viele verschiedene Aspekte des T√§towierens Sie in Ihrem Buch ansprechen. Wie lange haben Sie an dem Konzept gearbeitet und wie lange hat es gedauert, bis das Buch fertig war?

Die Arbeit an dem Buch hat fast ein Jahr gedauert. Zuerst haben wir das Grundger√ľst erarbeitet, mit allen Themen, die wir ber√ľcksichtigen wollten. Danach ging es erst richtig los: Wir mussten √ľber einhundert Kunden fotografieren, zu jedem einen Text verfassen und diese thematisch geordnet im Buch platzieren.

Das Aufschreiben meiner Gedanken zu jeder T√§towierung ist mir leicht gefallen, denn ich mache Tagebucheintr√§ge √ľber jeden, den ich jemals t√§towiert habe. Es ist also sehr einfach f√ľr mich, √ľber das T√§towieren zu sprechen und es zu beschreiben. Daher wette ich, dass meine Tippfehler die gr√∂√üte Baustelle f√ľr meinen Lektor waren.

Ein richtig guter T√§towierer ist an seinem einzigartigen, unnachahmlichen Stil erkennbar. Sie sind zum Beispiel bekannt f√ľr Ihre detaillierten lebensnahen Portr√§ts. Wie haben Sie Ihre eigene Handschrift als K√ľnstlerin entwickelt?

Wenn man als T√§towiererin in einem sehr √ľblen Teil der Stadt aufw√§chst, ist der am h√§ufigsten vorkommende Stil, den man in S√ľdkalifornien sehen kann, der Grey & Black Stil.

Er beinhaltet eine Menge Handschrift: Viele Leute lassen sich die Namen ihrer Freundinnen oder Freunde stechen, andere ¬Ľin Liebe und Gedenken an¬ę und wieder andere ihren eigenen Nachnamen. Ich habe mich also von Anfang anmit der Komposition von Schrift besch√§ftigt. Bereits als Kind liebte ich die Kalligrafie und habe sehr viel ge√ľbt.

Wovon lassen Sie sich bei Ihrer Arbeit inspirieren?

Bei der t√§glichen Arbeit inspirieren mich ganz klar meine Mitarbeiter. In meinem Buch habe ich den K√ľnstlern, die mich beeinflussen, ein ganzes Kapitel gewidmet, manche von ihnen sind T√§towierer, aber es gibt auch Maler, die f√ľr mich sehr wichtig waren. Mir lag viel daran, das im Buch aufzugreifen, denn ohne diese K√ľnstler w√§re mein Stil heute ein anderer. In meinem Laden h√§ngt ja auch keine T√§towierkunst, sondern √Ėlgem√§lde, klassische Portr√§ts im Stil der alten Meister, denn das inspiriert mich mehr als die Tattoos, die wir t√§glich stechen.

Musik ist Ihnen offenbar auch sehr wichtig, was hören Sie denn bei der Arbeit?

Ich bin ziemlich offen, was meine musikalischen Vorlieben angeht. Auf meinem iPod habe ich ganz viele Playlists, von Klassik bis Metal ist so ziemlich alles dabei. In letzter Zeit habe ich Audiobooks f√ľr mich entdeckt, aber das tue ich meinen Kunden nicht an. Neil Young h√∂re ich sehr viel, ich liebe seine Musik.

Gibt es jemanden, den Sie unbedingt tätowieren möchten?

Das werde ich √∂fter gefragt, aber bei mir sind keine W√ľnsche offen. Lemmy von Mot√∂rhead habe ich schon t√§towiert, und meine Lieblingss√§ngerin Johnette Napolitano auch.

Und Leute, die nicht auf Tattoos stehen, w√ľrde ich auch nicht t√§towieren wollen, da ist es ganz egal, wie toll ich sie sonst finde. Mich interessiert sowieso mehr das Motiv und die Geschichte dahinter, wenn jemand mit einem Portr√§t kommt und mir erz√§hlt, welche Rolle diese Person in seinem Leben spielt, das finde ich spannend.

Wie sieht denn ein ganz normaler Arbeitstag im Leben einer Tätowiererin aus?

Wenn wir nicht gerade die Sendung filmen, dann t√§towiere ich so ziemlich durchg√§ngig die ganze Woche, ab mittags bis 22 Uhr ungef√§hr. Wenn wir drehen, dann kostet das extrem viel Zeit, und ich versuche, um sechs Uhr nach Hause zu gehen, weil ich noch Zeit f√ľr meine Familie, f√ľr meinen Freund Nikki Sixx und seine Kinder haben will.

Mir ist es wichtig, da ein Gleichgewicht zu haben, fr√ľher habe ich nur gearbeitet und dann nachts allein im Zimmer gesessen. Nun habe ich mir die Sonntage frei genommen und nutze sie zum Fotografieren.

Sie sind eine auffällig attraktive Frau in einer sehr stark von Männern dominierten Szene. Hat das Ihre Karriere beeinflusst? Gibt es Tätowiererinnen, die Sie bewundern?

Es gibt ganz sicher T√§towiererinnen, deren Arbeit ich bewundere, aber f√ľr mich war das Geschlecht nie ausschlaggebend, wenn ich mir meine Vorbilder ausgesucht habe. Nat√ľrlich bewundere ich viele weibliche K√ľnstler, so die Regisseurin und Fotografin Maya Deren, aber auch Frida Kahlo, und auch Johnette Napolitano, meine Lieblingss√§ngerin.

Diese Frauen haben mich beeinflusst, weil sie stark sind, unabhängig und aus sich selbst heraus kreativ. Aber in der Tattoo-Szene orientiere ich mich wirklich eher an den Arbeiten der anderen, nicht so sehr an der Person, und da haben Männer letzten Endes eine größere Rolle gespielt.

Was m√ľsste ich denn anstellen, um von Ihnen t√§towiert zu werden? Ich bin schlie√ülich nicht ber√ľhmt.

Hey, ich t√§towiere auch sehr gern ganz normale Leute! Ich habe eine Warteliste und bin immer so f√ľr zwei Monate im Voraus ausgebucht, l√§nger plane ich nicht, denn es kann ja immer was dazwischen kommen.

Termine kann man per E-Mail bei mir anfragen und auf meiner Website kann man mich auch buchen. Durch meine Sendung ¬ĽLA Ink¬ę ist der Eindruck entstanden, dass man hier ganz schwer reinkommt, aber das stimmt √ľberhaupt nicht.

Gibt es Motive, die Sie aus politischen oder pers√∂nlichen Gr√ľnden nicht t√§towieren? Flaggen oder Adler habe ich n√§mlich im Buch √ľberhaupt nicht gefunden.

Ich steche keine Motive, mit denen ich moralische Probleme habe, und wenn ich generell das Gef√ľhl habe, dass ein bestimmtes Motiv sp√§ter bereut werden k√∂nnte, dann tue ich, was ich kann, um es dem Kunden auszureden.

Rassistische Vorlagen t√§towiere ich auch nicht und bei Gang-Markierungen bin ich extrem vorsichtig. Und selbst guten Freunden w√ľrde ich m√§chtig ins Gewissen reden, wenn sie sich gleich nach der ersten gemeinsamen Nacht die neue Liebe stechen lassen wollen.

Welches war eigentlich Ihr erstes Tattoo? Bereuen Sie ein Tattoo auf ihrem Körper?

Mein erstes Tattoo war ein J auf meinem linken Kn√∂chel, es steht f√ľr James, meine erste gro√üe Liebe. Wir waren drei Jahre zusammen und das Tattoo werde ich ganz bestimmt niemals verdecken lassen. Ich liebe alle meine Tattoos, jedes erinnert mich an eine bestimmte Zeit in meinem Leben.

Z√§hlen kann ich meine T√§towierungen nicht mehr, sie sind alle zu einem Ganzk√∂rperkunstwerk verschmolzen. Ich wei√ü nur, dass ich von drei√üig bis vierzig verschiedenen K√ľnstlern t√§towiert wurde. F√ľr viele ¬ĽLA Ink¬ę-Fans sind Sie ein gro√ües Vorbild.

Haben Sie irgendwelche Tipps f√ľr junge T√§towierer parat, die ganz am Anfang ihres Weges stehen?

Ich stehe generell nicht so auf Tipps und Ratschl√§ge, jeder muss sich da selbst durchbei√üen. Ich selbst habe keine klassische Ausbildung, aber ich glaube, das ist schon der beste Einstieg in die Welt des T√§towierens. Ein erfahrener T√§towierer kann dir sehr viel beibringen, angefangen damit, wie essenziell eine sterile Arbeitsumgebung ist, bis hin zu verschiedenen Tricks, die den Lernprozess beschleunigen. Man sollte sich diesen Berufsweg wirklich gut √ľberlegen, das ist kein Job f√ľr jeden, blo√ü weil es im Fernsehen so cool aussieht.

Ihre deutschen Fans kennen Sie aus der Sendung ¬ĽLA Ink¬ę, die bei uns auf DMAX ausgestrahlt wird. Gibt es denn kulturelle Unterschiede bei den Tattoo-W√ľnschen, w√ľrde sich ein deutscher Kunde ein ganz anderes Motiv stechen lassen als ein chinesischer Kunde?

Mein Eindruck ist, dass es da sehr gro√üe Unterschiede gibt, einfach wegen der verschiedenen Kulturen. Selbst in den USA gibt es starke regionale Vorlieben, S√ľdkalifornier stehen auf andere Styles als Nordkalifornier.

Das kann man gut mit der Musikszene vergleichen, es gibt ganz viele Genres und jeder sucht sich sein Ding aus. Wenn man ein klassisches japanisches Tattoo haben will, sollte man sich das nat√ľrlich in Japan stechen lassen, f√ľr ein kalifornisches Gangster-Tattoo ist L.A. der richtige Ort.

Ich bin noch nicht so oft in Deutschland gewesen, aber ich weiß, dass Tribal-Tattoos dort lange ziemlich in waren, gerade in der Industrial-Szene. Ich find es gut, dass es diese kulturellen Unterschiede gibt, so hat jedes Land eine eigene Tattoo-Sprache.

Wie geht es bei Ihnen weiter, was haben Sie sich f√ľr die n√§chsten Jahre vorgenommen? Sie meinen, abgesehen von der Weltherrschaft?

Ich arbeite gerade an meinem zweiten Buch und fotografiere sehr viel. Ich m√∂chte viel Zeit f√ľr meine Familie haben, viel kreativ arbeiten, ich will Klamotten entwerfen, Schmuck machen, fotografieren, stylen, Sets kreieren ... Die Sendung will ich nicht f√ľr den Rest meines Lebens machen, ich m√∂chte reisen k√∂nnen, mich entspannen und ausprobieren


Alle Fotos: Lionel Deluy

Kat Von D
High Voltage Tattoo

176 Seiten, ca. 500 Abbildungen
Premium-Hardcover mit wattiertem Umschlag
√úbersetzt von Thorsten Wortmann
ISBN 978-3-89602-927-0
Preis 29,90 EUR (D) | 48,90 CHF (UVP)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2009
www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

Bild zum Interview mit Kat Von D

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Alle Fotos: Lionel Deluy


4 Kommentare | am 12. Oct 2009 geschrieben
Tags: Tattoo, Buecher, Kat von D

Kommentare

MissTake86

MissTake86

14. Aug 2010 | 04:42

sorry aber es gibt keine bessere ;D
was w√ľrde ich tun um ein tattoo von ihr zu kriegen *G*

Bose

Bose

05. Mar 2010 | 18:43

Sehr schönes Interview!
Eine ganz gro√üe K√ľnstlerin in der Tattoo-Szene.
Ein Tattoo von Ihr stechen lassen, das wärs doch mal! Wenn da nicht die Wartezeiten wären... -.-

Groupie

Groupie

19. Feb 2010 | 09:06

Yes, die ist echt sensationell!

Laura

Laura

19. Oct 2009 | 10:30

die frau is toll !
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