Wie Väter ticken

»Ich habe mir die Väter mal genauer angeschaut«
Fragen an Maximilian Brost

Wie kamst du auf die Idee zu deinem Buch?
Ich kam durch meinen Vater darauf, der ja bereits diverse Bücher in der »TICKEN «-Reihe veröffentlicht hat. Da er in seinem Buch »Wie Teenies ticken« versucht, Menschen wie mich zu beschreiben, habe ich mir gedacht, dass ich das auch kann – deshalb habe ich mir die Väter mal genauer angeschaut.

111 Fragen sind eine ganze Menge, wie kamst du auf all diese Fragen?

Dazu braucht es viele Freunde und Freundinnen, die alle unheimlich viel über ihre Väter wissen wollen, denn Väter sind Menschen, die viele Geheimnisse gerne für sich behalten und uns vieles nicht erzählen, in dem festen Glauben, dass wir davon gar nichts wissen, was natürlich nicht stimmt. In meinem Freundeskreis haben mich viele unterstützt, wo sie nur konnten, und an dem Buch mitgearbeitet.

Was für Menschen hast du interviewt und wie hast du sie gefunden?
Vor allem in meinem Freundeskreis habe ich unglaublich viel Feedback bekommen und fast alle haben mir erzählt, was sie von ihren Vätern wissen wollen, und diese Väter mussten auch immer Rede und Antwort stehen. Dazu habe ich mehrere Aufrufe in meiner Schule und der näheren Umgebung gestartet. Auch auf der Straße habe ich Befragungen durchgeführt, und auch dabei kamen Fragen heraus, die jedem schon mal im Kopf herumgingen, die aber noch nie jemand gestellt hat.

Waren die Väter immer ehrlich oder haben sie sich mit manchen Antworten schwergetan?
Im Grunde waren sie ehrlich, nur musste man ihnen vieles aus der Nase ziehen. Väter sprechen in Rätseln und genießen das. Nach dem einen oder anderen Glas Wein lockert sich aber auch ihre Zunge und sie reden offen über ihre Probleme und ihre Vorstellungen vom perfekten Kind und der perfekten Familie.

Verstehst du Väter seit deinen Recherchen besser?
Väter sind alles andere als ein offenes Buch, aber sie handeln alle nach einem ähnlichen Schema, was es ermöglicht, sich auf die individuellen Reaktionen eines jeden Vaters vorzubereiten. Wenn man so viele verschiedene Väter befragt hat, dann kann man sich ein Bild machen und diese Menschen besser verstehen, ja.

Durch was zeichnet sich der typische Vater für dich aus?
Der typische Vater ist mürrisch, übermüdet und viel zu gestresst, um auf die Probleme der eigenen Kinder einzugehen.

Du spielst in deinem Buch mit Klischees. Haben sich diese Klischees in der Wirklichkeit oft bestätigt?
Viele Klischees haben sich tatsächlich bestätigt, wie zum Beispiel, dass Väter tief in sich drinnen noch ein Spielkind sind und dass sie sich wie der geborene Anführer fühlen, wenn sie uns zum Bierholen schicken. Es ist unglaublich, dass in fast jedem dieser Klischees ein wahrer Kern steckt und dass tatsächlich fast alle Väter nach diesen Klischees handeln, manche mehr, manche weniger.

Welche Antworten der Väter haben dich am meisten überrascht?
Als es um die Probleme und die Ängste eines Vaters ging, waren sie unerwartet offen und haben zugegeben, dass selbst sie irgendwann nicht mehr weiter wissen.

Wen soll dein Buch ansprechen?
Mit meinem Buch will ich vor allem Mütter und die Kinder von Vätern ansprechen, denn ich denke, dass es ihnen wirklich helfen könnte, Väter besser zu verstehen. Auch für werdende Väter kann das Buch sehr nützlich sein, denn sie können sich dann ein ungefähres Bild machen, wie sie ihren Kindern ein guter Vater sein können und womit sie auf komplette Ablehnung stoßen.

Hat dein eigener Vater deinen Text gelesen und findet er sich darin wieder?
Nein, mein Vater hat das Manuskript nicht zu sehen bekommen, aber wenn er das Buch liest, dann wird er sich bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden.

Ist das Verhältnis zwischen Vätern und Kindern so schlecht wie sein Ruf?
Es gibt ein grundsätzliches Verständnisproblem zwischen diesen beiden doch sehr sturen Arten von Menschen. Väter versuchen uns in die richtigen Bahnen zu lenken, und wir versuchen unsere Erfahrungen selbst zu machen, da muss es ja zwangsläufig zu Auseinandersetzungen kommen, aber trotzdem wissen beide den jeweils anderen zu schätzen.

Hast du selbst ein gutes Verhältnis zu deinem Vater?
Ich habe ein eher freundschaftliches Verhältnis zu meinem Vater, was daher kommen kann, dass meine Eltern seit meinem sechsten Lebensjahr geschieden sind. Ich denke aber, dass wir beide unser Verhältnis als sehr gut bezeichnen würden, auch wenn wir viele Auseinandersetzungen haben.

Mit deinem Buch trittst du gewissermaßen in die Fußstapfen deines Vaters, der auch schreibt – wie geht ihr beide damit um?
Ich denke, dass mein Vater in erster Linie stolz ist auf das, was ich getan habe, auch wenn wir relativ wenig drüber reden. Wir versuchen das Buch aus unserem Verhältnis rauszuhalten, damit es keinen Stress gibt, den es sonst zwangsläufig geben würde.

Sind Väter für die meisten Jugendlichen Vorbilder?
Väter sind vielleicht kein direktes Vorbild, aber trotzdem versuchen Kinder ihr Leben in etwa in die gleichen Bahnen zu lenken, denn sie wissen, dass das, was ihr Vater gemacht hat, eigentlich nicht ganz schlecht sein kann.

In deinem Buch sprichst du auch recht offen über Sex, bist du das von Zuhause gewöhnt oder war das eher ein Tabuthema bei euch?
In unserer Familie gibt es so etwas wie Tabuthemen nicht, wir sprechen eigentlich über alles, was uns bedrückt oder wo es Bedarf nach einer Unterhaltung gibt, das gilt sowohl für meinen Vater und mich als auch für meine Brüder.

Welchen Unterschied machen Väter deinen Recherchen zufolge zwischen Töchtern und Söhnen?
Der größte Unterschied liegt wohl in den Erwartungen. Väter interessieren sich nicht dafür, ob ihre Tochter Fußballprofi wird oder ob der Sohn einen Schönheitswettbewerb gewinnt. Ein Großteil der Väter ist, leider, immer noch der Meinung, dass Söhne in die Politik und auf den Fußballplatz gehören und Töchter in den Schönheitssalon und auf die Schulbank, wo Väter meist ein größeres Potenzial bei ihren Töchtern sehen. Sie halten sie für intelligenter und ihre Söhne für »besser«.

Gibt es deiner Meinung nach den perfekten Vater?
Ich glaube nicht, dass man den »perfekten Vater« klar definieren kann, aber ich denke, dass es Kriterien gibt, die dieser erfüllen muss. Zum einen darf er keine Vorurteile haben, was bei Vätern leider eine Seltenheit ist, denn sie schlagen sich allzu oft auf die Seite derer, die uns anklagen. Zum anderen muss er einfach da sein, wenn wir ein Problem haben, denn das sind die Momente, in denen wir ihn wirklich brauchen.

Was kannst du Vätern mit auf den Weg geben, wie sie sich ihren Kindern gegen über verhalten sollen?
Väter sollten nicht denken, dass sie etwas Besseres sind als ihre Kinder oder dass sie ihnen etwas voraushaben, denn so etwas merken Kinder, und Väter haben nun mal eine nervende Art, das zu zeigen. Wenn ein Vater meint, etwas besser zu können, dann sollte er seinen Kindern die Chance geben, es selbst zu versuchen und daraus zu lernen, und er sollte sie nicht wegschicken mit den Worten »Du kannst das eh nicht, lass Papa mal machen! «.

Das ist dein erstes Buch, kannst du dir vorstellen, weitere folgen zu lassen?
Ein wesentlicher Bestandteil der Familie ist jetzt abgedeckt, aber ich denke, es gibt noch vieles, was man über andere Teile einer Familie oder auch über andere, alltägliche Dinge in Erfahrung bringen sollte, denn in vielen Bereichen gibt es noch so viele Missverständnisse, die nur darauf warten, aufgeklärt zu werden. Das Schreiben an sich war ein unheimlicher Spaß und ich konnte viel über eine Rolle innerhalb der Familie lernen, die ich vielleicht auch einmal besetzen werde, das machte den ungeheuren Reiz aus. Also ja, ich könnte mir vorstellen, noch weitere Bücher zu schreiben.

Nähere Information zum Buch:

Maximilian Brost

Wie Väter ticken
111 Fakten, die aus Söhnen & Töchtern
Väter-Versteher machen
232 Seiten, Taschenbuch
Preis 9,90 EUR (D) / 18,90 CHF (UVP)
ISBN 978-3-89602-874-7
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2009
www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

Das Buch ist bereits im Handel erhältlich.

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Bild zum Interview mit Wie Väter ticken

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0 Kommentare | am 10. Jun 2009 geschrieben
Tags: wie vaeter ticken, maximilian brost, buecher

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