Erst vor kurzem, in einer meiner letzten Filmkolumnen über Das Vermächtnis des geheimen Buches erwähnte ich die Helden meiner Kindheit. Die von Ian Flemming ]erfundene Kunstfigur, der Superagent James Bond, war eine davon. Wenn ein Bond- Film im Fernsehen lief, war der Abend gelaufen und ich war definitiv nicht mehr anzusprechen.
Realistisch betrachtet kann es einen Menschen wie James Bond nicht geben, außer vielleicht als übernatürliches Produkt eines Gen Forschungsprogramms, denn James Bond ist unumstritten ein Übermensch. Er kann in mehreren tausend Metern Höhe auf einem Ballon gegen einen 2,18 Meter großen Koloss mit Metallzähnen kämpfen (und gewinnen), er überlebt den Ritt auf einer Riesenwelle, er fährt schneller Ski als eine Lawine, er fährt besser Auto als Michael Knight und er dürfte gegen alle existierenden Geschlechtskrankheiten immun sein, was seine häufig wechselnden Sexualpartnerinnen erklären könnte.
Casino Royale der bisher letzte Film der James Bond Reihe war eigentlich auch der Erste, bzw. der erste Roman den Flemming [geschrieben hat und wurde bereits dreimal verfilmt. Bereits 1954 wurde die gleichnamige Fernsehfassung mit dem relativ unbekannten Barry Nelson in der Rolle des Agenten und Peter Lorre als sein Widersacher Le Chiffre gedreht.
Im Jahr 1967 wurde eine ebenfalls gleichnamige Parodie gedreht, die ein wahres Staraufgebot beinhaltet (David Niven, Orson Welles, Woody Allen, Peter Sellers, Ursula Andress u.a.), aber nur ganz knapp an einem finanziellen Fiasko vorbeiging.
Die Frage nach dem eigenen, ganz privatem Lieblings-Bond-Darsteller gehört mitunter zu den intimsten Fragen die man gestellt bekommen kann und ist für mich inzwischen gar nicht mehr so leicht zu beantworten. Bisher war Sean Connery für mich der "Original Bond", doch seit Daniel Craig in dessen Fußstapfen gestiegen ist fällt mir die Antwort schwer.
Von den internationalen Medien vorerst noch als Weichei abgestempelt und ausgelacht, bot Craig eine beinharte und ganze neue Interpretation des Bond Charakters. Noch nie war ein Film-Bond so nah an der Figur aus den Roman Vorlagen Ian Flemmings. Seien wir uns ehrlich, in Wahrheit ist James Bond ein Schweinehund, er ist sexistisch, übertrieben brutal, eingebildet und egozentrisch, doch fehlte es im bisher an Menschlichkeit. Diese fehlende Komponente ist in "Casino Royale" zu finden, denn hier zeigt der Übermensch zum ersten Mal menschliche Züge und das macht diesen Bond zum vielleicht Besten bisher.
Besser als das Lexikon des internationalen Films kann man "Casino Royale" nicht beschreiben: „Rasante, in Details durchaus raue Verfilmung des ersten James-Bond-Romans von Ian Fleming, die sich durch betonte Körperlichkeit und artistische Kabinettstückchen auszeichnet. Daniel Craig nimmt dem „neuen“ Bond die versnobte Eleganz, verleiht ihm aber draufgängerische Sportlichkeit und eine psychologisch interessante Unberechenbarkeit.“
Ebenfalls nicht unerwähnt sollte Mads Mikkelsen bleiben, ein großartiger Schauspieler, der sogar dem Bösewicht "Le Chiffre" auf satanische Art und Weise Menschlichkeit verleiht. Mögen wir auf den nächsten Streich gespannt sein, denn James Bond kommt wieder in Quantum of Solace Regie: Martin Campbell Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, Paul Haggis Besetzung: Daniel Craig: James Bond Eva Green: Vesper Lynd, Mads Mikkelsen: LeChiffre, Caterina Murino: Solange Dimitrios, Judi Dench: M, Jeffrey Wright: Felix Leiter |
| 0 Kommentare | am 02. May 2008 geschrieben von Max N. | auf Facebook teilen | auf Twitter teilen Tags: Film, James Bond, Eva Green, Casino Royale |
Kommentare |