Sie haben kürzlich Ihre WM-Vorbereitung unterbrochen. Warum?
Vitali Klitschko: Als ich hörte, dass Julia Timoschenko (Ex-Ministerpräsidentin, Anm. d. Redaktion) in Haft gekommen ist, bin ich gleich nach Kiew gefahren. Ich habe mich dort mit meinen Parteifreunden besprochen, wie wir darauf reagieren müssen. Dort findet zurzeit der Kampf für die Demokratie statt.
Was macht Sie so sicher, dass Sie dadurch nicht Ihre Vorbereitung für den Kampf gegen Tomasz Adamek gefährden?
Klitschko: Ich bin seit über 20 Jahren Profisportler und habe sehr viel Erfahrung. Die politischen Probleme in der Ukraine beeinträchtigen mein Training überhaupt nicht. Ich werde optimal vorbereitet in den Kampf am 10. September gehen.
Der Kampf gegen den Polen Adamek findet in dessen Heimatland statt. Was spricht für Breslau?
Klitschko: Das Stadion in Breslau ist gerade fertiggestellt worden. Nächstes Jahr werden dort Spiele der Fußball-Europameisterschaft ausgetragen. Dass dort ein Ukrainer gegen einen Polen kämpft, deren Länder gemeinsam das Turnier ausrichten, soll ein erstes Highlight sein.
Ihr Bruder Wladimir hat zuletzt mit David Haye einen ehemaligen Cruisergewichtler geboxt - und gewonnen. Ihr Gegner Adamek ist ebenfalls ein ehemaliger Cruisergewichtler. Wie unterscheidet sich Ihre Vorbereitung von der Ihres Bruders?
Klitschko: Der große Unterschied ist, dass ich mit Fritz Sdunek einen anderen Trainer habe. Wir sind ein sehr gutes Team und bereiten uns wie immer sehr genau auf den nächsten Gegner vor. Ich habe fast das Gefühl, dass Adamek ein Bruder von mir ist, so genau studieren wir ihn.
Nach dem Haye-Kampf Ihres Bruders Wladimir haben Sie den Vertrag mit RTL um fünf Kämpfe verlängert, dabei ist es egal, wer von Ihnen im Ring steht. Vor kurzem sind Sie 40 Jahre alt geworden, dabei haben Sie mal gesagt, dass Sie nicht als alter Sandsack im Ring stehen wollen. Ist dann nach den fünf RTL-Kämpfen für Sie Schluss?
Klitschko: Ich fühle mich heute besser als mit 25 Jahren und meine Trainings- und Fitnesswerte bestätigen das. Ich spüre, dass ich noch einiges unverbrauchtes Pulver in meinen Fäusten habe. Den Altersrekord von George Foreman werde ich trotzdem nicht brechen.
Wer wäre überhaupt noch ein Gegner für Sie?
Klitschko: Es gibt immer wieder junge und hungrige Boxer, die meinem Bruder Wladimir oder mir die Titel entreißen wollen. Und glauben Sie mir, diese Jungs sind nicht zu unterschätzen, denn für sie ist es die Chance ihres Lebens und sie sind noch motivierter als sonst.
Können Sie eigentlich abtreten, ohne einmal gegen David Haye geboxt zu haben? Mit dem müssten Sie doch eigentlich noch eine Rechnung offen haben.
Klitschko: David Haye hat unsere Familie immer wieder beleidigt. Wladimir hat ihm in einem großen Kampf den WM-Gürtel abgenommen, darauf bin ich sehr stolz. Leider fehlte der K.o. am Ende und das würde ich gerne nachholen: David Haye in den Ringstaub schicken.
Mukivista
Cooles Interview!